Burning Alms - Afternoon Sass - Cover
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Burning Alms Afternoon Sass


  • Label: Geenger Records
  • Laufzeit: 30 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Burning Alms halten die Art-Rock-Flagge hoch und erinnern an Größen und Kleinode der letzten 20 Jahre.

Wahrscheinlich ist die Geschichte der Populärmusik ein Kreis. Wann immer Hörer an einem Ende übersättigt sind, wird eine alte Tür geöffnet. Die Möglichkeiten hinter dieser Tür erscheinen uns neu, weil wir sie von einst vergessen haben. Burning Alms entführen uns in Klanggefilde, die vor 15 bis 20 Jahren angesagt waren. Als das unendlich erscheinende Brit-Pop-Ressort die Hörer einzulullen drohte, war verkopfte Musik gefragt. Selbst Briten wie Radiohead suchten ihr Heil in der Neuerfindung. Neben elektronischen Ausflügen taten sich aber auch Gelegenheiten für intellektuelle Krachmacher auf, wie Burning Alms sie auch heute sind.

Eher vergleichbar mit ...And You Will Know Us By The Trail Of Dead toben sich Burning Alms auf ihren Instrumenten aus, während die tragenden Melodien im Gesang eher verträumt wirken. Angelehnt an das Trail-Of-Dead-Frühwerk „Madonna“ ist „Afternoon Sass“ kein Konzeptalbum, sondern die Aneinanderreihung wild vorgetragener Stücke, die einem festen Stil folgen. Mit etwas Fantasie lassen sich in den Gitarrenwänden Punk-Klänge à la Turbostaat wiederfinden: ein kühler, aber bis ins Mark gehender Sound, der sich wie eisiger Regen nur langsam, aber nachhaltig in den (Musik-)Knochen festsetzt.

Was Burning Alms bei allen Positivaspekten abgeht, ist allerdings der Funken Emotion, der Hörer bei solche einem krachenden Ansatz packen sollte. Stattdessen bleiben die Lieder stets distanziert in ihrer Botschaft, während die Instrumente den Ohren auf die Pelle rücken. Diese Gegensätzlichkeit erzeugt eine Art Vakuum, die die stark geschriebene Musik der Band verebben lässt. Selbst musikalische Großtaten wie „Everyone You Know“ gehen im Sturm der Band eigenen Ziellosigkeit unter. Es sollte eine Freude sein, Liedern wie „Barnacle“ lauschen zu können und doch können sich die Tracks weder voneinander absetzen, noch vollends mitreißen.

Die halbe Stunde auf „Afternoon Sass“ zieht wie ein gigantischer Track an Hörern vorbei, ohne dass sich ein packender Zusammenhang erkennen lässt. Stattdessen freuen sich die zufriedenen Hörer über eine Band, die handwerklich hervorragend arbeitet. Viel mehr Ohren werden dagegen vergeblich nach mehr lauschen, wenn dieses Handwerk ohne bleibenden Einfluss aus den Boxen klingt und sich selbst im Weg steht.

Anspieltipps:

  • Everyone You Know
  • Barnacle
  • Every City

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