Oli.P - Alles Gute! - Cover
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Oli.P Alles Gute!


  • Label: Telamo/WEA
  • Laufzeit: 55 Minuten
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2/10 Unsere Wertung Legende
4.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Oli.P rammt dem deutschen Schlager ein Messer in den Rücken, indem er mehr als ein Dutzend Klassiker völlig emotionslos durch den Weichzeichner zerrt.

Oliver Petszokat (41), den die meisten nur als Oli.P kennen, zählte Mitte bis Ende der 90er Jahre insbesondere bei den jüngeren TV-Zuschauern zu den ganz großen Stars. Er spielte Hauptrollen in den Vorabend-Soaps „Alle zusammen – jeder für sich“ und „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“, die Tag für Tag ein Millionenpublikum vor die Fernseher lockten und brachte parallel zwischen 1998 und 2004 fünf Studioalben sowie eine Greatest-Hits-Sammlung auf den Markt. Mit mehr als drei Millionen verkaufen Exemplaren und den Nummer-1-Singles „Flugzeuge im Bauch“ und „So bist du (und wenn du gehst…)“ ließ der Berliner viele arrivierte Stars alt aussehen, auch wenn sein musikalisches Fundament zu großen Teilen „nur“ aus Coverversionen bestand.

Irgendwann geht auch der größte Hype vorüber. Und so passierte es auch Oli.P, dass er in der öffentlichen Wahrnehmung etwas unterging, obwohl er weiterhin an Film- und Fernsehproduktionen beteiligt war. Nur die Musik ließ der 41-Jährige sehr lange ruhen. Erst im Jahr 2016 kehrte Oli.P mit dem Album „Wie früher“ (05/2016) auf die Pop-Bildfläche zurück, verfehlte aber einen Chartentry. Erfolgreich wie früher war Oli.Ps Rückkehr also nicht. Aber ein Grund, um mit der Musik gleich wieder aufzuhören, war der Misserfolg auch nicht.

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Inzwischen erfolgte eine leichte Kurskorrektur. Oli.P steht nun beim Label „221 Music“ unter Vertrag, das wiederum an die Schlager-Plattenfirma Telamo im Vertrieb von Warner Music gebunden ist. Folgerichtig macht Oli.P nun auch Schlagermusik mit Pop-Einschlag. Und sein Hang zu Coverversionen ist dabei ausgeprägter denn je. Denn auf seinem neuen Longplayer „Alles Gute!“ stellen Fremdkompositionen das komplette musikalische Fundament dar. Sogar seinen eigenen (Cover-)Hit „Flugzeuge im Bauch“ hat sich der dauergrinsende Öllerich noch einmal zur Brust genommen. Dazu kommen u.a. Stücke von Roland Kaiser, Howard Carpendale, Peter Maffay, Yvonne Catterfeld, Heinz Rudolf Kunze, der Münchener Freiheit und der Gruppe Wind.

Das nennt man wohl konsequent: Große Namen, große Schmachtfetzen, die jeder ab einer gewissen „Altersklasse“ kennt und ein zum Schaumschlagen angetretener Barde, der aus Stücken wie „Dein ist mein ganzen Herz“ oder auch „Lieb mich ein letztes Mal“ noch mal eine Extraportion Schmalz („Solang' man Träume noch leben kann“) und Schunkel-Feeling herausholt („Lass die Sonne in dein Herz“). Wer will dem Oli dafür ernsthaft böse sein? Er meinst es schließlich todernst – inklusive seiner typischen Rap-Parts bzw. das, was Oli.P für Rap hält.

Es ist wirklich erstaunlich, wie Oli.P die Vorlagen, die eh schon als leichte Muse gelten, so richtig tief in extra-seichte Gewässer steuert und selbst Songs wie „Ich liebe dich“ (im Original von Clowns & Helden) den letzten Rest Dramatik abdreht und sie klingen lässt, als würde er in der Tagesschau die Nachrichten vortragen. Und trotzdem sind wir dem Oli nicht böse. Ist halt ein Netter, der Oli, auch wenn „Alles Gute!“ dem deutschen Schlager amtlich ein Messer in den Rücken rammt, indem er mehr als ein Dutzend Klassiker völlig emotionslos durch den Weichzeichner zerrt und damit sämtliche Bemühungen des Genres, etwas moderner zu klingen, in die Schrottpresse befördert.

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