Sarah Connor - Herz Kraft Werke - Cover
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Sarah Connor Herz Kraft Werke


  • Label: Polydor/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 59 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

„Herz Kraft Werke“ ist ein starkes Statement für deutschsprachige Popmusik.

Für Sarah Connor (38) – immerhin eine der erfolgreichsten deutschen Sängerinnen des 21. Jahrhunderts – war das „Muttersprache“-Album (05/2015) bedingt durch die Zusammenarbeit mit dem durch Rosenstolz bekannten Songwriting-Team Peter Plate, Ulf Leo Sommer und Daniel Faust nicht nur gleichbedeutend mit einer überraschenden stilistischen Umstellung auf deutsche Texte und weniger tanzbare Sounds, es ist mit mehr als 1,1 Millionen verkauften Einheiten auch der bis dato größte Erfolg in der Karriere des Popstars. Vier Jahre zehrte Sarah Connor von dem Interesse an dem Longplayer, der in zig verschiedenen Varianten plus zwei Live-Ablegern vermarktet wurde.

Am Ende muss man sagen: Chapeau! Alles richtig gemacht. Doch irgendwann muss es auch mal weitergehen. So geschehen bei Aufnahmen in Nashville und London, wo die in Deutschland geschriebenen Songs fertiggestellt wurden. Natürlich war bei dem Prozess wieder das „Muttersprache“-Team an Bord und auch Sarah Connor beteiligte sich erneut persönlich am Songwriting. Dennoch sollte das neue Album nicht einfach nur den aktuellen Status der Sängerin verwalten. Deshalb wurden mit Tobias Kuhn (Thees Uhlmann, Die Toten Hosen), Nicolas Rebscher (Alice Merton, Stefanie Heinzmann), Ali Zuckowski (Udo Lindenberg, Helene Fischer), Simon Triebel (Juli, Tim Bendzko), Gregor Meyle (Charlie Winston, Laith Al-Deen) und Konstantin „Djorkaeff“ Scherer (Fler, Bushido) weitere Leute ins Boot geholt, die sich am kreativen Gelingen beteiligten.

Bild

Herausgekommen ist wie schon auf „Muttersprache“ eine Mischung aus Schlager und Pop, wobei die Nähe zur Popmusik wesentlich stärker ausgeprägt ist. Zudem schafft es Sarah Connor, ihr Stimme so einzubringen, dass viele Kolleginnen neidisch zu Boden blicken dürften („Hör auf deinen Bauch“), auch wenn es der hohe Balladenanteil nicht immer leicht macht („Unendlich“). Inhaltlich bezieht sie politisch eindeutig Stellung („Ruiniert“) und schützt ihr Privatleben mit drastischen Worten („Keiner pisst in mein Revier“). Es fällt auf: In ihren Texten benutzt Sarah Connor gerne Formulierungen, mit denen sie ihre Musik konterkariert.

Trotzdem geht das Konzept auf „Herz Kraft Werke“ bestens auf. Warum der Opener „Vincent“ als Single trotzdem nicht so gut funktioniert hat, bleibt ein Rätsel. Okay, das Stück behandelt (vielleicht etwas zu klischeebehaftet) das Thema Homosexualität und nimmt allein dadurch eine Sonderstellung ein. Doch rein musikalisch ist „Vincent“ ein Ohrwurm vor dem Herrn, der den Hörer mit einem Bett aus Streichern empfängt und später mit einem mitreißenden Refrain mit Gospel-Chor und einer kraftvollen Bridge im Handstreich für sich gewinnen sollte.

Obwohl „Herz Kraft Werke“ mit 15 Songs und einer Stunde Spielzeit üppig ausgestattet ist, kommt zu keiner Zeit Langeweile auf. Es macht Spaß, die Musik und die Texte zu erkunden, die fast ohne einen Ausfall auskommen und damit ein starkes Statement für deutschsprachige Popmusik abgeben. Das muss auch mal anerkannt werden, anstatt immer nur zu meckern.

Anspieltipps:

  • Vincent
  • Unendlich
  • Ich wünsch dir
  • Zelt am Strand
  • Weiss du noch Herz
  • Hör auf deinen Bauch
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