Tunng - This Is Tunng... Magpie Bites And Other Cuts - Cover
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Tunng This Is Tunng... Magpie Bites And Other Cuts


  • Label: Full Time Hobby/Rough Trade
  • Laufzeit: 100 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Tunng guckt sich bei den Besten ab, wie man sich nicht zu viel abguckt.

Schreib einen Pop-Song. Schreib einen Pop-Song, der tatsächlich nicht so klingt, als hätten ihn schon dutzende Bands vor dir geschrieben, während gleichzeitig alle mit dem Kopf nicken und bei deiner Melodie daran denken, warum ein Pop-Song zwischendurch nie verkehrt ist. Wenn Tunng sich mit „Magpie Bites And Other Cuts“ sonst nichts auf die Fahne schreiben kann, dann diese Leistung. Das Album ist auch ohne Ohrwürmer ein Werk, das Hörer keinen Moment allein lässt und eingängig einfädelt.

Um den Wermutstropfen aus dem Weg zu bekommen: Wahrscheinlich wird ausgerechnet das repetitive und inhaltlich großteils langweilige „The Pioneers“ durch die Decke schießen. Gerade der Song, der zeigt, wie sehr sich viele Pop-Songs auf unnötig viele Wiederholungen stützt. Dass der Song trotzdem eine ansprechende Spannungskurve liefert, die ihm zum Erfolg verhelfen wird, ist aber natürlich auch ein Lob.

Viel interessanter ist Tunng, wenn sie sich Luft zum Atmen geben und sich in Spielereien ergötzen, die ihren Klangkosmos erweitern. Das eröffnende „Heatwave“ ist ein wunderbares Beispiel hierfür, wenn ein einfach gestrickter Pop-Song trotzdem so offen gehalten wird, dass das Lied jederzeit in eine andere Richtung umschlagen könnte. Aber auch ein klarer Fokus wie in „Death And The Maiden Retold“ steht der Band ausgezeichnet, wenn sie intensiv und mit unnachgiebigem Takt eine schaurig schöne Geschichte erzählt.

Der Wille zur Vielfalt bringt die Band grundlos oft an ihre Grenzen, wenn Hörer sich fragen, warum „Pool Beneath The Pond“ und „Bank Holiday“ angestrengt klingen. In anderen Stücken „No Man Can Find The War“ und „Clump“ tanzt sich die Band dagegen mühelos durch ihre Arrangements. Vielleicht hat Tunng Angst, Stillstand verkörpern zu können. Gerade ihr introvertiert verrückter Folk-Pop ist jedoch ein Geschenk, von dem Hörer nicht allzu schnell zu viel bekommen werden. Und dass dieser scheinbar simple Ansatz viele Freiräume lässt, beweist die Band, ganz ohne das Querverweise angegeben werden müssen. Und das ist das wahrscheinlich größte Lob, das man „Magpie Bites And Other Cuts“ aussprechen kann.

Anspieltipps:

  • Heatwave
  • Death And The Maiden Retold
  • The Pioneers

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