Oh Land - Family Tree - Cover
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Oh Land Family Tree


  • Label: Tusk Or Tooth Records
  • Laufzeit: 41 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Ob Oh Land erwachsener oder schlichtweg melancholischer geworden ist, entscheiden Hörer für sich allein. Das Ergebnis ist unabhängig von diesem Schluss gut.

Zum Beginn dieses Jahrzehnts hat sich Oh Land aus Dänemark endgültig als Pop-Alternative angekündigt, die Hörerherzen mit authentischem Hitpotenzial und elektronischen Elementen überzeugen wollte. Die Zeichen standen nicht schlecht und auch zum Ende dieses Jahrzehnts ist Oh Land noch immer da. Auf „Family Tree“ wirkt Nanna Øland Fabricius geerdet und technisch noch versierter als in ihren Anfangsjahren. Die synthetischen Klänge sind inzwischen nicht die wummernde Partybatterie, sondern geben Balladen eine unwirkliche Tiefe. Was gekünstelt kitschig hätte enden können, bleibt authentisch und ist ein erfreuliches Bekenntnis für alle, die den Glauben an Pop mit Herz nicht verlieren wollen.

Nach dem ersten Hördurchgang drängt sich die Parallele zu einem gescheiterten Album auf: Coldplays „Ghost Stories“. Anders als das vermeintliche Trauerkloß-Album der britischen Superstars konzentriert sich Oh Land auf eine Wärme in ihrem sehnsuchtsvollen Sound, sodass „Family Tree“ nie nach Gejammer, sondern nach Hoffnung klingt. Oh Land greift die Momente der „Ghost Stories“ auf, die funktionieren und führt sie behüteter an die Hörer heran. Beinahe zu behutsam, wenn Hörer realisieren, wie das Album sich von Lied zu Lied weiter entfaltet.

Wo der Titeltrack noch ein vorsichtiges herantasten an den zurückhaltenden Stil des Albums ist, spinnt Nanna ab „Human Error“ Zeilen und Melodien, die dem Pop würdig im Ohr hängenbleiben wollen. Sich in „Kiss In Songs“ und „Brief Moment“ stetig weiter steigernd ist „Family Tree“ eine sich im Zeitraffer entfaltende Blume. Die introvertierte Natur des Albums hilft der Künstlerin dabei, dass die Lieder dabei nie abheben oder künstlich wirken. Obwohl die Lieder sich leicht in ihre Bauteile zersetzen lassen, ist die Freude zu groß, einfach schöne Musik zu hören.

Lieder wie „Make My Trouble Beautiful“ scheinen Hörer einfach schweben lassen zu wollen, ohne den Worten und der Musik zu viel aufbürden zu wollen. Wer sich mit Oh Lands Botschaften oder Arrangements im Detail auseinandersetzen will, ist herzlich eingeladen. Wer dagegen zu „Coma“ zwei Minuten lang Zeit und Raum vergessen will, wird nicht minder glücklich. Überhaupt ist das Credo dieses Albums, dass die Musik zum Mitsingen, Summen und Vergessen im Positiven Sinne einlädt. „Family Tree“ schickt sich an, eine Platte zu sein, zu der Hörer weinen, aber auch lächeln und in jedem Falle träumen werden.

Mit „Salt“ und „Sunlight“ kommt das Album letztendlich an den Punkt, an dem Oh Land sich dank einer Portion Soul eine passende Portion Coolness abholt, die sich gut mit ihrem sonstigen Stil ergänzt, zu dem sie in „Speak To Me With Love“ erfolgreich zurückkehrt. „Family Tree“ macht deutlich, dass Oh Land nicht überraschen, sondern umgarnen und unterhalten will. Und das gelingt der Dänin auf ganzer Linie. Von Trip-Hop und Soul bis Piano-Pop der alten Schule gibt sich Oh Land keinerlei Blöße. Einigen könnte dieser Ansatz zu perfekt und unverletzlich sein, doch das ändert nicht, dass Hörer hier die meisterliche Arbeit einer Könnerin bewundern dürfen.

Anspieltipps:

  • Coma
  • Brief Moment
  • Salt

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