Madonna - Madame X - Cover
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Madonna Madame X


  • Label: Interscope/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 56 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
7.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit der Queen Of Pop ist schon lange nichts mehr los. „Madame X“ bestätigt dies erneut.

Am 18 Mai 2019 war es wieder einmal soweit. Madonna (60) sorgte für einen ihrer berühmten Skandale. Und zwar auf dem Schlager-Grand-Prix, Verzeihung, beim 64. Eurovision Song Contest natürlich, den Madonna für eine Gage von 1,3 Millionen Euro als Stargast veredeln sollte. Doch mit ihrem Auftritt in Tel Aviv sorgte sie nicht nur für ein handfestes Ärgernis, weil einer ihrer Tänzer eine Israel-Flagge trug und das Bühnenbild die Rückseite der Palästinenserfahne zierte, sondern auch für ein persönliches Debakel, weil ihre Gesangsdarbietung der einer schlechten Karaoke-Version glich. Dumm gelaufen. Denn bei ESC wird nun mal live gesungen.

Mit diesem Auftritt sollte eigentlich das weltweite Interesse an Madonnas kommendem Album „Madame X“ angekurbelt werden, nachdem die vorab ausgekoppelten Singles erneut einen schnellen Tod starben und damit inzwischen fast schon traditionell schlecht performten. Und warum? Ganz einfach, weil die dazugehörigen Longplayer mit ihrer erzwungenen Möchtegern-Modernität und den künstlerischen Pseudo-Innovationen ebenfalls schon seit Jahren ein Fall für die Tonne sind. Das muss bitter sein. Denn auch auf den ausverkauften Bombast-Tourneen wollen die Menschen eh nur die alten Hits hören. Aber das auch nicht jedes Jahr, bei den horrenden Ticketpreisen. Deshalb laufen die Ticket-Verkäufe für die ab September geplante Tour durch Nordamerika nicht gerade prickelnd.

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„Madame X“ ist das 14. Studioalbum von Madonna Louise Ciccone, die alle drei, vier Jahre einen neuen Longplayer auf den Markt wirft. Es wurde in Lissabon, London, Los Angeles und New York aufgenommen und soll das Oeuvre einer Geheimagentin sein, die um die Welt reist, die Identitäten wechselt, für die Freiheit kämpf und Licht an dunkle Orte bringt. Klarer Fall von Selbstüberschätzung, die sich auch in den 13 neuen Tracks äußert. Zeitweise konnte man noch der Hoffnung sein, dass sich eine alternde Madonna würdig aus der Affäre ziehen würde, doch mit dem zerfaserten Stil-Sammelsurium auf „Madame X“ schaufelt sich die 60-Jährige eifrig ihr Grab.

Dabei halfen heuer Produzenten wie Mirwais, Mike Dean, Diplo, Jason Evigan, Jeff Bhasker und Pharrell Williams (u.a. Kanye West, Jay-Z, Gwen Stefani, Britney Spears, Shakira, Justin Bieber, Maroon 5, Demi Lovato, David Guetta, Alicia Keys, Kid Cudi, Drake, Ed Sheeran), die einen stilistischen Gemischtwarenladen angerührt haben, der such aus sich selbst zitierendem Disco-Pop („God control“), Latin-Pop („Medellin“), Ethno-Pop („Batuka“) sowie Reggae- und Dancehall-Anleihen mit durch den Computer glattgezogenen oder auch verfremdeten Gesangsspuren zusammensetzt. („Future“).

Dazu gesellt sich eine Prise R&B, etwas Trap oder auch Electro. All das soll wohl trendy sein, klingt tatsächlich aber nur bemüht und ist mit einer Spielzeit von fast einer Stunde viel zu lang geraten. Substanz war eben noch nie Madonnas Stärke. Doch ihre unsterblichen Pop-Klassiker haben dies immer kaschiert. Dazu ist Madonna heuer nicht mehr in der Lage. Deshalb kann sie sich auch ihre politischen Ansichten sparen, die sie mit ihrer Musik versucht zu streuen. Musik, die in ihren schlechtesten Momenten wie ein Abklatsch von Jennifer Lopez klingt („Bitch I’m loca“), was für den Hörer einer Ohrfeige gleichkommt.

Anspieltipps:

  • Crave
  • Dark ballet
  • I don’t search I find
  • Killers who are playing
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