Versengold - Nordlicht - Cover
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Versengold Nordlicht


  • Label: RCA/Sony Music
  • Laufzeit: 55 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Versengold haben den Emotionen abgeschworen und versuchen den Klängen von Helene Fischer und Vanessa Mai nachzueifern.

„Nordlicht“ ist kein Rock-Album. Höchstens an der Oberfläche ist der Band ein Klang erhalten geblieben, der an Mittelalter-Folk erinnert. Ähnlich wie das jüngste Subway To Sally-Werk „Hey“ verliert sich eine Band in aufgezwungenen Thematiken, die alle nach Pop-Party klingen. Über Lieder wie „Thekenmädchen“ und „Butter Bei Die Fische“ hätte sich die Band vor ein paar Jahren hoffentlich selbst geärgert, wenn Binsenweisheiten und Mitsingmusik sich den Festzelten anbiedert. Für Fans wird der Einwurf von Mittelalter-Elementen reichen, um bei ein paar Bierchen zu feiern. Zu „Nordlicht“ feiert es sich aber so gemächlich, dass das Album ein musikalischer Umtrunk unter vielen ist.

Bis auf kleinere Aufnahmen versucht sich Versengold durch Tempo zu profilieren. Wenn „De Rode Gerd“ und „Der Tag, An Dem Die Götter Sich Betranken“ nur laut genug aus den Boxen knallt, werden sich die Hörer schon bewegen. Es ist gar nicht so unwahrscheinlich, dass nur wenige Hörer diese Musik hinterfragen. Penetrant präsentiert sich eine Band hier mit Knalleffekt und Pop-Ohrwurm. Die Melodien sind jedoch zu keinem Zeitpunkt gut genug, um diesen Ansatz zünden zu lassen. Mit „Küstenkind“ ist Versengold sogar ein Pop-Missgeschick passiert, das so austauschbar ist, dass jeder beliebige Act es hätte singen können.

Bis auf die Freiheiten der Grammatik und Wortwahl des Mittelalter-Rocks und die manchmal eingesetzte Überbetonung von Worten schafft „Nordlicht“ es nicht einmal mehr in einer Sparte aufzufallen, die sich sonst so problemlos von Schlager und Deutsch-Pop abhebt. Ohne den Abgrund eines „Hey!“ zu erreichen, müht sich Versengold an Phrasen ab, um nicht belanglos zu wirken. Wenn Versengold in „Meer Aus Tränen“ und „Braune Pfeifen“ die Flüchtlinge im Mittelmeer und Rechtsbewegungen ansprechen, klingt das leider erwartet unspezifisch. Dazu kommt in beiden Liedern dieser Plastik-Klang, der an braves Radioprogramm erinnert.

Versengold waren vor einigen Jahren noch eine Band, die ihr Herz auf der Zunge trug. Auf „Nordlicht“ ist zwischen Phrasen, Nordprogrammatik und emotional distanzierter Logik und Party nicht mehr viel davon zu erkennen. Auch wenn eine Abkühlung im Sommer mehr als willkommen ist, lässt „Nordlicht“ seine Hörer auf die komplett falsche Weise kalt.

Anspieltipps:

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  • Wohin Wir Auch Gehen
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