Lloyd Cole - Guesswork - Cover
Große Ansicht

Lloyd Cole Guesswork


  • Label: earMusic/EDEL
  • Laufzeit: 44 Minuten
Artikel teilen:
6.5/10 Unsere Wertung Legende
6.9/10 Leserwertung Stimme ab!

Elektro-Pop anstatt Singer/Songwriter-Attitüde. Lloyd Cole holt nicht nur die 80er Jahre zurück, sondern auch seine musikalischen Begleiter aus eben dieser Zeit.

Der britische Sänger und Songschreiber Lloyd Cole (58) begann seine Karriere Anfang der 80er Jahre mit Gründung der Band The Commotions. Diese lieferte in den Achtzigern drei Studioalben sowie diverse in den UK-Charts top-platzierte Singles ab. In den 90er Jahren begann Lloyd Cole seine Solokarriere, in der er bis heute rund ein Dutzend Studio- sowie ähnliche viele Live-Alben veröffentlicht hat, wobei Cole zwar auf eine treue Fanbasis vertrauen konnte, aber aus kommerzieller Sicht nicht mehr so stark wie in den 80er Jahren performte.

Nach einigen Jahren Studiopause legt der in den USA beheimatete Musiker mit „Guesswork“ nun wieder rundum frisches Werk vor. Doch wer darauf klassisch handgemachte Singer/Songwriter- oder Folk-Musik erwartet hat, wird vermutlich enttäuscht werden. Denn wie schon auf „1D Electronics“ (2015) oder auch „Plastic Wood“ (2001) war es mal wieder Zeit für elektronische Experimente, die Cole in seinem Heimstudio in Massachusetts zusammen mit seinen alten Weggefährten Neil Clark (Gitarre), Blair Cowan (Keyboards, Synthesizers) und Fred Maher (Synthesizers) eingespielt und in Eigenregie produziert hat.

Bild

Dabei verbindet Lloyd Cole klassisches Storytelling, das auf persönlichen Texten beruht, mit atmosphärischen Elektroklängen („The over under“), poppigen Melodien („Violins“) und verspielten Arrangements („Night sweats“), wobei nicht nur Lloyd Coles markanter Gesang stets wie eine Brücke in die 80er Jahre erscheint. Sein gesamtes Verständnis von elektronischer Musik klingt wie eine durchgehende Reminiszenz an eine schillernde Epoche, die der 58-Jährige mit acht Songs bei 44 Minuten Spielzeit sehr dezidiert auskostet.

Auf diese Weise wird „Guesswork“ die Hörerschaft vermutlich in zwei Lager spalten. Auf der einen Seite sind diejenigen, die einfach nur den getragenen Klängen lauschen und dazu träumen wollen, während sich auf der anderen Seite die Fraktion befindet, die das Werk bewusst langweilig finden wird, wenn es mit seinen zartbesaitet vor sich hin mäanderten Stücken wie „Remains“ oder auch „The afterlife“ voller Melancholie und Altersweisheit zum Entschleunigen einlädt. Deshalb gilt kurz gesagt: Wer eine gewisse Affinität zu Balladen, elektronischer Musik und den 80er Jahren besitzt, sollte „Guesswork“ zumindest mal antesten.

Anspieltipps:

  • Violins
  • The afterlife
  • The over under
  • The loudness wars
Neue Kritiken im Genre „Singer/Songwriter“
Diskutiere über „Lloyd Cole“
comments powered by Disqus