Kate Tempest - The Book Of Traps And Lessons  - Cover
Große Ansicht

Kate Tempest The Book Of Traps And Lessons


  • Label: Caroline/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 45 Minuten
Artikel teilen:
6/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Kate Tempest lässt große Worte und Wortspiele sprechen. Dabei vergisst die britische Poetin jedoch, die Magie der Musik zum Einsatz zu bringen.

Im rettenden Moment auf „The Books Of Traps And Lessons“ wird dem Hörer schmerzhaft bewusst, warum das Album nicht so packend wie der Vorgänger „Let Them Eat Chaos“ geworden ist. Kate Tempest hat die Musik vergessen. Sie hat selbst das Theater an vielen Stellen vergessen. „Let Them Eat Chaos“ war kein musikalisches Meisterwerk, sondern ein brillante unterlegte Gedicht-Reihe. Auf „The Books Of Traps And Lessons“ bleibt Kate Tempest bei ihren verkopften Texten, hebt dabei aber diesmal oft ohne ihre Hörer ab.

Im abschließenden „People’s Face“ arbeitet Tempest mit den einfachsten Bausteinen der Pop-Musik und baut ihre optimistische Hymne auf einer einfachen Melodie auf. Selbst wer die Worte beim ersten Hördurchgang nicht vollends verfolgt, ist von diesen Tönen ergriffen. Und auch wenn Tempest beim Versuch eines Sing-Sangs unfreiwillig komisch wirkt, transportiert „People’s Faces“ etwas, das dem Rest des Albums abhanden geht: Herz.

Die Wortwasserfälle eines „Keep Moving Don’t Move“ prasseln unnachgiebig auf (un-)willige Hörerohren nieder und scheinen mehr mit kunstvollen Wortgebilden und abstrakten Metaphern beschäftigt zu sein. Uns sollte angst und bange werden, wenn Kate Tempest von der nicht endenden Plage namens Menschheit spricht, die sich immer weiter vermehrt und damit überfordert scheint. Doch Tempest entführt Hörer in so viele Arme des Gedankenkaninchenbaus, dass der Überblick wie das Tageslicht verschwindet. Es gibt einfachere Metaphern, um „The Book Of Traps And Lessons“ zu beschreiben. Genau das ist der Punkt, der dieses Album kaltstellt.

Selbst wenn Kate Tempest ihren Blick auf die Perversion des Konstrukts namens Liebe wirft, lässt sich das Gehörte eher registrieren als verarbeiten. Die Gedanken liegen weiter offen vor den Hörern, sind allerdings hochgestochen und doch trocken, sodass bei allem Verstehen das Mitfühlen fehlt. Selten scheint sich Tempest ihrer Rolle auf dem Hörspiel bewusst, das erst zündet, wenn sie ihre Texte wie in „Hold Your Own“ lebt oder Musik nicht nur als leblosen Hintergrund für ihre fein ausgearbeiteten Rhetorik-Konstrukte nutzt. Kate Tempest kann sich noch so edelmütig auf die Bühne stellen und um unser Gehör bitten. Auf „The Books Of Traps And Lessons“ schafft sie es nicht, ihrer Botschaft die Kraft zum Überleben mit auf den Weg zu geben.

Anspieltipps:

  • People’s Faces
  • Hold Your Own
  • Lessons

Neue Kritiken im Genre „Indie-Pop“
Diskutiere über „Kate Tempest“
comments powered by Disqus