Tarja - In The Raw - Cover
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Tarja In The Raw


  • Label: earMusic/EDEL
  • Laufzeit: 58 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Tarja ist inzwischen mehr eine Maschine als eine Künstlerin.

Tarja-Alben lassen sich inzwischen in einem Tweet zusammenfassen. Die Finnin lässt ihren pathetischen Quasi-Operngesang gepaart mit wuchtigen Metal-Melodien auf ihre Fans los. Und diese Fans feiern Tarja immer noch genug, dass das Geschäft sich lohnt. Das inzwischen siebte Album ist aber auch das vielleicht stärkste seit „What Lies Beneath“, weil Tarja sich weniger als Marke abfeiern lässt.

In den vergangenen Jahren schien durch, dass Tarja sich und ihren Stil in den Vordergrund stellte und vergaß, dass ihre Stimme auch ansprechende Musik aus den Bereichen Metal und Gothic benötigt, um zu funktionieren. „In The Raw“ besinnt sich von Beginn an auf protzende Gitarren („Dead Promises“), streut Ohrwürmer ein („Goodbye Stranger“) und bleibt selbst in schmierigen Gefilden angenehm zugänglich („Railroads“). Wenn „In The Raw“ lediglich ein Glückstreffer ist, soll das nicht weiter stören. Das Ergebnis ist genau die Art von Evergreen-Pathos, die nostaligische Gothic-Fans sich wünschen können.

Bei so vielen positiven Überraschungen, die in der gelungenen und null peinlichen Ballade „You And I“ münden, steht Tarja sich nur selbst im Weg. Ab „The Golden Chamber“ kokettiert jeder Song mit Ausnahme von „Serene“ mit der Siebenminutenmarke, wofür Tarja alles, aber keine guten Gründe liefert. Im besten Fall erreichen die Titel die Qualität unfreiwillig komischer Seifenopern („Silent Masquerade“), weil die Finnin viel zu dick aufträgt. Ein zur Hälfte gutes Album wird im wahrsten Sinne ausgebremst und schafft einfach nicht den Absprung. Bis „Shadow Play“ weiß allein „Serene“ sich rechtzeitig zu verabschieden. Ansonsten überlädt Tarja ihr Album und fällt in altbackene Muster der letzten Alben.

Wer über eine durchwachsene Hälfte hinweg gucken kann, erfreut sich am dennoch stärksten Output seit langem, der dem Gothic Metal eine gewisse Würde zurückgibt. Tarja funktioniert ohne Synth-Plastik-Operetten und ausschweifende Wiederholungen viel besser als sonst und kann sich in Zukunft hoffentlich noch mehr auf die rohen Elemente auf „In The Raw“ stützen. Denn wenn sonst nichts sicher ist, darf schon bald wieder ein neues Tarja-Album erwartet werden. Die Maschine läuft weiter, nur ob auch gut ist die Frage.

Anspieltipps:

  • Dead Promises
  • You And I
  • Goodbye Stranger

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