Sido - Ich Und Keine Maske - Cover
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Sido Ich Und Keine Maske


  • Label: Urban/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 45 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
7.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Schere zwischen Sido und seinen alten Fans geht immer weiter auseinander, weil seine Musik keinen Hering mehr vom Teller zieht. Da nützen auch die authentischen Texte nichts.

Nach „Maske“ (04/2004), „Ich“ (12/2006) und „Ich und meine Maske“ (05/2008) führt Sido den in seine Seele blickenden Trip mit „Ich und keine Maske“ fort. Es ist das achte Soloalbum des Berliners und der Nachfolger von „Das goldene Album“ (11/2016), auf dem Sido endlich wieder näher an seine musikalische Basis heranrückte, auch wenn der 38-Jährige nach wie vor so dicht wie kein zweiter Rapper an der Popszene dran ist. Mit dem polarisierenden Feature-Gästen Johannes Oerding und Nico Santos wird dies wieder einmal schmerzhaft bestätigt. Doch Kollaborationen mit Casper, Luciano, Kool Savas und Samra lassen auch auf Sounds aus alten Zeiten hoffen.

Seiner Position und der damit verbundenen Problematik, ein HipHop/Rap-Veteran aus dem Royal Bunker/Aggro-Berlin-Lager zu sein, der ins Pop-Segment reingerutscht ist und täglich im Mainstream-Radio gespielt wird, ist sich Sido voll und ganz bewusst. Gefühlt in jedem zweiten Song rechtfertigt er sich dafür und erklärt dem Hörer, warum er das macht, was er macht. Und ja, damit ist man durchaus bei ihm. Denn seine Selbstreflektionen sind stets authentisch und ehrlich („Wie Papa“, „2002“, „Leben vor dem Tod“), im Gegensatz zu den meisten Protagonisten der jungen Rap-Generation, die oft einfach nur peinlich, kriminell oder beides sind.

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Wichtig ist, dass nicht der Eindruck entsteht, Sido würde HipHop lediglich arbeiten und nebenbei als Juror bei „The Voice Of Germany“ den netten Onkel spielen. Denn einfach ist der Ritt zwischen weichgespülten Radiosongs („Pyramiden“, „Jedes Geheimnis“), poppigen Stücken („High“) klassischen Rap-Tracks („Energie“) und spätpubertären Rückfällen („Fällig“) gewiss nicht. Die Gründe dafür sind vielschichtig. Da wäre zum einen die fehlende Aggressivität der frühen Jahre und zum anderen Texte, die meist nur zwischen früher und heute vergleichen. Damit ist Sido heuer ungewohnt eindimensional unterwegs. Er klingt satt und zufrieden. Schön für ihn, schlecht für den Hörer.

Unter all dem leidet der Hörspaß ungemein. Denn Highlights wie der Opener oder die Casper-Kollaboration „Schono ke“ sind einfach zu selten. Stattdessen schickt Sido die Hörer mit dem schrecklich wimmernden Johannes Oerding in dem perfekt kalkulierten Popsong „Pyramiden“ nach Hause uns setzt damit seine Reputation schwer aufs Spiel, was ihm beim Blick auf seinen Kontoauszug herzlich egal sein wird. So geht die Schere zwischen Sido und seinen alten Fans immer weiter auseinander und irgendwann kommt der Moment, in dem authentische Texte alleine nicht mehr ausreichen, weil die Musik dazu keinen Hering mehr vom Teller zieht.

Anspieltipps:

  • Energie
  • Wie Papa
  • Schono ke
  • Leben vor dem Tod

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