Antti Paalanen - Rujo - Cover
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Antti Paalanen Rujo


  • Label: Westpark/INDIGO
  • Laufzeit: 39 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Statt innerlicher Zerrissenheit, präsentiert Antti Paalanen den finnischen Geist als Amalgam aus Nahem und Fernem.

Wer behauptet, dass er am Ende eines finnischen Polka-Albums mit viel tanzbarem Electronica-Einfluss auch lateinamerikanische Einflüsse als zentrales Element erwartet hat, ist entweder ein guter Lügner oder kennt die vielen Schatten des Antti Paalanen. Röhrend wie ein Piratenelch, auf Euro-Dance-Beats fixiert als seien die Neunziger wieder da und gleichzeitig einem Sehnen nach Musik aus Sonnenlanden verfallen, erzeugt Paalanen einen widerspenstigen und doch hypnotisierenden Mix auf „Rujo“.

Wo das Geheimnis von „Rujo“ vergraben ist, ergibt sich auch nach mehrmaligem Hören nicht vollends. „Rujo“ ist die Summe vieler Teile, wie „Elä (Gotta Live)“ eindrucksvoll beweist. Wie Paalanen Worte und Geräusche speit, gibt dem Song eine besondere Seele. Wer jedoch behauptet, dass diese Eigenheit das Stück auszeichnet, tut einem vibrierenden Arrangement im Hintergrund Unrecht, das der Musiker in „Child In You“ übrigens ganz ohne Stimme erneut aufleben lässt.

Perfekt ist Paalanens Kuriositätenkabinett sicherlich nicht. Immer dann, wenn der Euro-Dance wie in „Hede & Edi (Pollination)“ mit Paalanen durchgeht, steigt selbst begeisterten Hörern die Schamesröte ins Gesicht. Fragwürdig sind diese Momente auch deswegen, weil der Finne eindrucksvoll beweist, dass er mit unkonventionellen Mitteln weitaus stärker packende und interessantere Lieder erschaffen kann.

Nach knapp vierzig Minuten überwiegen die positiven Aspekte eines Albums, das nahezu durchgängig in Bewegung bleibt. Kleinere Stilsünden wie in besagtem „Hede & Edi (Pollination)“ und dem ansonsten bewegenden Abschluss „Jää Hyvästi (Farewell)“ sind in Anbetracht von einer selbstbewussten Performance voller Überraschungen. Auf dem Papier ist „Rujo“ ein Album, das nicht so gut funktionieren sollte. Glücklicherweise spielt sich Kunst nicht allein auf dem Papier ab, sondern lebt von den Künstlern, die sie zum Leben erwecken.

Anspieltipps:

  • Elä (Gotta Live)
  • Child In You
  • Dance For Me

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