Slipknot - We Are Not Your Kind - Cover
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Slipknot We Are Not Your Kind


  • Label: Roadrunner/WEA
  • Laufzeit: 63 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
8.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Willkommen zu Slipknots Wahnsinn 2.0 und ihrem vielschichtigsten Werk in der mehr als 20-jährigen Band-Geschichte.

Fast fünf Jahre hat es gedauert, bis das neunköpfige Irrenhaus aus Des Moines, Iowa, namens Slipknot, welches das Chaos und die Dramen des Lebens scheinbar magisch anzieht, nun endlich den Nachfolger zum „The Gray Chapter“-Longplayer (10/2014) präsentieren kann, auf dem die Band abschließend der Tod von Bandgründer und Bassist Paul Grey im Jahr 2010 verarbeitete. Mit „We Are Not Your Kind“ wird jetzt ein neues Kapitel der Maskenmänner eingeläutet, dem wiederum einige schwerwiegende Ereignisse in und um die Band herum vorausgingen.

Nachdem es schon im Vorfeld der Aufnahmen des fünften Slipknot-Albums mächtig im Band-Gebälk geknirscht hatte, traf es diesmal Perkussionist Chris Fehn, der die Gruppe aufgrund von Meinungsverschiedenheiten im März 2019 verlassen hat. Inwieweit er noch in den Entstehungsprozess der neuen Songs involviert war, ist nicht bekannt. Fakt ist allerdings, dass sich insbesondere Gitarrist Jim Root, der übrigens im Sommer 2014 von Corey Taylor aus dessen Zweitband Stone Sour rausgeworfen wurde, Perkussionist Shawn „Clown“ Crahan, dessen Tochter Gabrielle im Mai 2019 verstorben ist, sowie Joey-Jordinson-Nachfolger Jay Weinberg an den Drums und Paul-Grey-Nachfolger Alex Venturella am Bass um das Grundgerüst der neuen Songs kümmerten.

Warum das Ganze? Corey Taylor hatte mit Stone Sour und dem „Hydrograd“-Album (06/2017) so viel um die Ohren, dass er erst später mit dem quasi fertigen Material arbeitete, um Gesang und Texte hinzuzufügen. Produziert wurde das Endergebnis dann von Greg Fidelman (Metallica, Slayer, Life Of Agony). Dies zum Hintergrundrauschen des sechsten Slipknot-Albums, von dem sich wegen der Geheimniskrämerei und der Maskierungen der Musiker abschließend gar nicht sagen lässt, wer denn nun alles daran mitgewirkt hat. Aber genau solche Dinge machen den unheimlichen – und wohl auch kranken – Kosmos dieser Band mit aus.

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Vermutlich kann die Band nur unter solch extremen Umständen funktionieren und immer wieder die ganze Klasse ihres musikalischen Könnens abrufen. Schließlich besteht die Gruppe nicht aus Jux und Tollerei aus neun Mitgliedern. Wäre sie eine reine Haudrauf-Kapelle, würde auch die klassische Quartett-Besetzung reichen. Doch um die komplexen Strukturen ihrer Songs umzusetzen, ist jeder einzelne Musiker notwendig. So erzeugen Slipknot eine bedrückende Grusel-Atmosphäre, die von horrorfilmartigen Sequenzen zusammengehalten wird und am Ende das möglicherweise vielschichtigste Werk in der mehr als 20-jährigen Band-Geschichte ergibt.

Härte ist nicht alles. Das könnte der Leitsatz für „We Are Not Your Kind“ sein, obwohl Slipknot durchaus ein paar ganz derbe Metal-Bretter wie „Orphan“, „Critical darling“ oder auch „Nero forte“ raushauen. Die jugendliche Raserei der frühen Alben ist jedoch vorüber. Slipknot haben dazugelernt und wissen, dass die Mischung den Unterschied ausmacht. Deshalb lassen sie zwischen Intros („Insern coin“, „Death because of death“, What’s next“) auch Balladen („A liar’s funeral“) oder schräges, an Marilyn Manson gemahnendes Material zu („Spiders“). Das steigert die Spannung und lässt nicht – so wie früher – vollkommen geplättete Hörer zurück. Willkommen zu Slipknots Wahnsinn 2.0!

Anspieltipps:

  • Orphan
  • Unsainted
  • Nero forte
  • Solway firth
  • Not long for this world
  • Credit Header-Bild: Roadrunner Records

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