New Order - So It Goes... - Cover
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New Order So It Goes...


  • Label: Mute/Rough Trade
  • Laufzeit: 97 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.6/10 Leserwertung Stimme ab!

New Order gibt es so lange, da stören zwei vergangene Jahre seit dem Konzert in Manchester kaum.

New Order war und ist als Bandprojekt ein schwer fassbares Phänomen. Mit tanzbaren Synthie-Grundlagen hat der New-Order-Sound oftmals etwas von der Norm Befreiendes wie die junge Madonna, die Anderssein als etwas Extravagantes und Erstrebenswertes präsentierte. Gleichzeitig erfreute sich New Order, wenn wir beispielsweise Farin Urlaub glauben dürfen, bei den Vorreitern des Emo-Rock großer Beliebtheit. Wahrscheinlich passt die Musik von New Order zu allen, die gemeinsam einsam sind. Verstoßene, Vergessene, Missverstandene und Gehemmte können sich seit jeher unter dieser musikalischen Flagge treffen und wider aller Tradition stolz auf sich sein.

Knapp 40 Jahre nach der Bandgründung hat der Synthie-Sound der Band zwar nicht seine Magie verloren, doch die Altersfalten sind nicht zu übersehen. Dass Lieder wie „Elegia“ und „Times Change“ heute noch sofort erkannt werden, ist Zeichen dafür, dass diese Falten auch für Reife stehen. Gleichzeitig lässt sich festhalten, dass New Order im Vergleich zu anderen Kultbands vergleichsweise wenige Songs haben, die sich als große Hits halten konnten. Ein „Ultraviolence“ holt mit Sicherheit seine Fans ab, doch abseits des festen Kerns haben sich wenige Lieder ins kollektive Musikgedächtnis geschlichen.

Das ist beim geradlinigen Stils von New Order wahrscheinlich auch nicht allzu überraschend und muss natürlich nichts Schlechtes heißen. Allerdings sieht sich die Band durchaus mit der Kritik konfrontiert, dass ihre Songs oftmals die gleichen Verve versprühen. Wenn „Shellshock“ nahtlos in „Guilty Is A Useless Emotion“ übergeht, ergibt sich das Gefühl eines langen Tracks. Einen Schritt weitergegangen klingt „So It Goes“ mit Abstrichen wie ein langer Track. Positiv darf hierbei ausgelegt werden, dass der New-Order-Klang äußerst homogen ist. Gefällt Hörern ein Song, dann werden sie auf diesem Konzert glücklich. Abwechslung und einen interessanten Spannungsbogen bleiben dieser Aufnahme dagegen fern.

Das vielleicht größte Hindernis für alle Hörer wird jedoch die Sound-Qualität sein, die auch wohlgesonnenen Ohren nicht gerecht wird. Hallende Stimmen und Drums lassen sich von den Synthesizern erdrücken, während Gitarren auf unglückliche Weise verschwimmen. Besonders ärgerlich ist das, wenn die Gitarren wie in „Disorder“ und „Elegia“ zentrale Rollen spielen. Überhaupt ist nicht zu unterschätzen, wie sehr die Musik von New Order von klaren Klängen lebt. Von der Breitband-Filmmusiknummer „Elegia“ zum Club-Banger „Sub-Culture“ profitiert New Order davon, dass der Sound dicht und die einzelnen Elemente vernehmbar sind. Auf „So It Goes“ wirkt dagegen alles etwas abgetragen und angestrengt. Fast so als dürften Hörer die gemeinsam Einsamen lediglich beobachten, wie sie hinter Milchglas ohne uns zu ihrer Identität finden.

Anspieltipps:

  • Sub-Culture
  • Elegia
  • Disorder

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