Die Höchste Eisenbahn - Ich Glaub Dir Alles - Cover
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Die Höchste Eisenbahn Ich Glaub Dir Alles


  • Label: Tapete/INDIGO
  • Laufzeit: 48 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Höchste Eisenbahn geht auf „Ich Glaub Dir Alles“ zwölfmal auf Nummer sicher und lässt eine dicke Ecke Mut vermissen.

Die Höchste Eisenbahn gehört zu den strahlenden Charisma-Bestien der deutschen Musiklandschaft. Über die Herrschaften der wahrscheinlich pünktlichsten Bahn Deutschlands ein schlechtes Wort zu schreiben, ist wie ein Papierschnitt. Auch wenn der Trost für Fans damit gering ausfällt, soll vermerkt werden, dass die folgenden Zeilen nicht leicht von der Tastatur gingen. „Ich Glaub Dir Alles“ ist wahnsinnig süß und genau das wird dem Album zum Verhängnis.

Moritz Krämer und Mannen pausen gleich zu Beginn gnadenlos bei Judith Holofernes ab. Wäre der clevere Text weniger passiv geraten, könnte durchaus argumentiert werden, dass Die Höchste Eisenbahn Holofernes sogar besser wiedergibt als die Dame selbst. Aus dem Hinweis auf Holofernes wird in „Kinder Der Angst“ ein Verweis auf Wir Sind Helden. Statt der geballten Power eines Debüts sowie der erwachsenen Erhabenheit eines „Bring Mich Nach Hause“ bleibt die Eisenbahn bei dieser Parallele im etwas zu entspannten und berechnenden Mittelpart gefangen.

Bei „So Siehst Du Nicht Aus“ und „Enttäuscht“ darf getrost von Easy Listening gesprochen werden. Das könnte durchaus funktionieren, wenn der Text nicht unpassenderweise gegen die eigene Entspannung ankämpft. Bloß nicht zu laut sein mit den eigenen Ideen, die Band will niemanden stören. Dass die Eisenbahn das Risiko nicht eingehen will, Hörern auf die Gehörgangfüße zu steigen, nimmt dem Album allerdings jegliches Potenzial zu wachsen.

Die viel bekannte Tragik des Ganzen ist, dass auch kritische Hörer überdeutlich starke Ideen hinter kraftlos vorgetragener Musik hören. „Rote Luftballons“ und besagtes „Enttäuscht“ hätten Hymnen für das kleine Publikum sein können, doch die auf sympathisches Nuscheln ausgelegte Produktion pustet als Gegenwind wider Erwartungen und lässt alles unnötig brav klingen. Mit dem gedämpften Klang nimmt die Band sich Dynamik, was den etwas verhaltenen, aber definitiv sympathischen Sängerstimmen gut getan hätte. Gerade weil die Stimmen nicht die saubersten sind, hätte das Schrammeln einer Mitski gut getan. Noch besser hätte dem Album eine Portion Rio Reiser getan und der Größenwahn dieses Vergleichs gleich mit.

Anspieltipps:

  • Rote Luftballons
  • Enttäuscht
  • Kinder Der Angst

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