Ed Sheeran - No. 6 - Cover
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Ed Sheeran No. 6


  • Label: Asylum/WEA
  • Laufzeit: 50 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Ed Sheeran hat sich 22 Kollegen ins Studio geholt, um 15 neue Tracks mit amtlicher Starpower in die Charts zu pumpen.

Dass ein weltweiter Megastar wie Ed Sheeran (28) sein neues Album ausgerechnet mitten im Sommerloch auf den Markt bringt, ist relativ ungewöhnlich, da der Juli und der August als Ferienzeit eher als unattraktiv gelten. Aber da auch Superstar Taylor Swift (29) bereits im August mit ihrem neuen Longplayer namens „Lover“ um die Ecke kommt, scheint hier eine neue Taktik zu greifen: Man geht der Konkurrenz weiträumig aus dem Weg und platziert vielleicht schon zum lukrativen Weihnachtsgeschäft einen mit Bonus-Material gepimpten Ableger des Hauptwerks zum gepflegten Doppelabkassieren. Wir werden das beobachten!

Ed Sheeran gehört mit mehr als 150 Millionen verkauften Tonträgern zu den ganz dicken Fischen in der Popbranche. Scheinbar alles, was er anfasst, wird zu Gold bzw. Platin. Dabei hat er bis heute erst drei offizielle Studioalben auf den Markt gebracht. Die Liste seiner in Eigenregie vermarkteten Veröffentlichungen fällt dagegen umso üppiger aus. So brachte der Engländer bereits von acht Jahren ein Album heraus, das in Zusammenarbeit mit diversen Gästen entstanden ist. Genau hier setzt Ed Sheeran nun ein zweites Mal an.

Doch was damals noch auf kleiner Flamme gekocht wurde, steht nun auf „No. 6 Collaborations Project“ unter einem ganz anderen Stern. Mit Kollegen wie Eminem, 50 Cent, Bruno Mars, Justin Bieber, Stormzy, Camila Cabello, Travis Scott, Skrillex und Chris Stapleton holte sich der 28-Jährige richtig große Namen ins Studio. Und das sind längst nicht alle, die an dem Longplayer beteiligt waren. Insgesamt 22 Kollaborationen stehen bei 15 Tracks zu Buche – gleichbedeutend mit einem gewollten Stilmix, der von Pop, Rock bis HipHop zu ziemlich alles abfrühstückt, was auch nur irgendwie im Radio laufen kann, ohne die Hörer abzuschrecken.

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Dieser Ansatz, gewissermaßen alles zusammenzuwürfeln, was heutzutage angesagt ist, ist aus kommerzieller Sicht für Sheeran wie auch für seine Plattenfirma wie ein Sechser im Lotto. So lässt sich wunderbar leicht Geld verdienen. Vielleicht sogar zum letzten Mal, denn Sheeran hat bereits angedeutet, dass er mit dem Thema Popmusik durch ist und zu seinen Singer/Songwriter-Wurzeln zurückkehren möchte. Doch vorher wuchert der Brite noch einmal mit seinen ansteckenden Melodien, die zumeist sofort ins Ohr gehen und auf „No. 6 Collaborations Project“ in der Masse klingen, als hätte jemand das Tagesprogramm eines Jugendsenders wie z.B. N-JOY RADIO mitgeschnitten.

So merken die doofen Kids jedenfalls nicht, dass sie das komplette Sheeran-Album am Stück hören. Etwas, was im Streaming-Zeitalter so out ist wie der Haarschnitt aus der vergangenen Saison. Ein geschickter Schachzug eines Musikers, dem niemand böse sein kann, auch wenn er die Ohren des Hörers mit Schmalz zukleistert, wobei man Sheeran zugutehalten muss, dass er die Schmalzkeule nie dauerhaft rausholt. Er vermischt Pop („Beautiful people“, „Put it all on me“), R&B („I don’t care“, „Feels“), HipHop/Rap („Take me back to London“, „Remember the name“), balladesken Folk-Pop („Best part of me“), Trap („Antisocial“) und Rock („Blow“)“ als wäre es das Natürlichste auf der Welt.

Am Ende liefert Ed Sheeran mit „No. 6 Collaborations Project“ einen trendigen Pop-Gemischtwarenladen ab, den man gar nicht als reguläres Album bewerten möchte, da den Songs der berühmte Albumcharakter fast vollständig abgeht. Dafür passt der Sound mit seiner unbeschwerten Leichtigkeit perfekt in die Sommermonate, was den Release-Zeitpunkt wiederum als goldrichtig erweist, auch wenn der Preis dafür eine etwas substanzlos erscheinende Jukebox ist.

Anspieltipps:

  • Feels
  • Blow
  • Best part of me
  • Beautiful people
  • I don’t want your money
  • Take me back to London
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