Martin Tingvall - The Rocket - Cover
Große Ansicht

Martin Tingvall The Rocket


  • Label: Skip Records
  • Laufzeit: 55 Minuten
Artikel teilen:
8/10 Unsere Wertung Legende
5.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Martin Tingvall macht sich seine Musikwelt, wie sie ihm gefällt. Damit sind die Schweden seit Astrid Lindgren immer gut gefahren.

Martin Tingvall darf sich getrost als etablierter Musiker verstehen. Die Frage ist vielmehr, ob seine Hörer ihn als solchen wahrnehmen. „The Rocket“ ist der bislang größte Schritt zum Verstanden werden. Auch wenn der schwedische Pianist sein Album beinahe generisch gut mit „Hope“ beginnt, eröffnet er im Anschluss ein weites Meer aus musikalischen Einflüssen, das Genres scheinbar mühelos zusammenführt. Wie sich Tingvall in „First Steps“ von Neo-Klassik zu Jazz wandelt und im Titeltrack Instrumental-Pop erschafft, ist aller Ehren wert. „The Rocket“ ist gleichzeitig Film-Soundtrack und Genre-Überwältigung und erinnert an neuere Medien wie Videospiele, in denen vermeintlich festgefahrene Musikarten gerne chaotisch, aber eben auch interessant vermischt werden.

Tingvalls neues Album ist vielleicht das Erste, das sämtliche Ansätze in einer Art vorträgt, die zu überzeugen vermag. Kein Song hört sich wie ein Kompromiss an, sondern folgt klar erkennbar einer eigens gewählten Linie. Wo „Floating“ mit Zurückhaltung glänzt, drängt sich der „Piano Man“ forsch auf. Beide Stücke drücken sich gewählt und nachvollziehbar aus, ohne die Freude des Interpretationsraums in wortloser Musik zu nehmen.

Tingvall klingt auf „The Rocket“ grandios erhaben („No Gravity“), melancholisch („From Above“), nach Folklore („Tales“) und schlicht erbaulich („Castle Song“). Auf „The Rocket“ verschwimmen zwar Stile, aber die Atmosphäre, die „The Rocket“ zu durchdringen versucht, ist dicht und wirksam. Wenn „Goodbye For Now“ erklingt, haben Hörer eine knappe Stunde mit einem Fotoalbum aus Klängen verbracht, das bei jedem Hördurchgang Emotionen wecken wird. Wie Bilder je nach Laune und Perspektive unterschiedlich betrachtet werden, werden die fließend wechselnden Einflüsse auf Martin Tingvalls „The Rocket“ in Hörern stets etwas Neues wecken.

Anspieltipps:

  • No Gravity
  • The Rocket III
  • Piano Man

Neue Kritiken im Genre „Jazz“
Diskutiere über „Martin Tingvall“
comments powered by Disqus