Marika Hackman - Any Human Friend - Cover
Große Ansicht

Marika Hackman Any Human Friend


  • Label: Caroline/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 42 Minuten
Artikel teilen:
6/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

Höher, weiter, direkter: Marika Hackman versucht sich an einem geradlinigeren Stil, erstickt darin allerdings zu viele Emotionen.

Schluss mit schnodderig. Marika Hackman macht auf den ersten Blick einen Schritt nach vorne, wenn sie auf „Any Human Friend“ weniger rotzig und dafür überlegter klingt. Nach alleinigem Hören des Titeltracks dürften geneigte Ohren sogar meinen, dass eine Pop-Künstlerin sich endlich an den Ort traut, der für sie geschaffen war. Leider ist der Album-Closer auch auf „Any Human Friend“ noch näher an der Ausnahme als an der Regel. Marika Hackman braucht wieder ein wenig, um nicht ohne Mehrwert vermeintlich erwachsen über Sex und Beziehungen zu reden.

Sehen Hörer „Any Human Friend“ als direkte Fortsetzung von „I Am Not Your Man“ scheint die Musikerin geradezu aus ihrem alten Album zu stolpern. „Wanderlust“ flüstert wie ein nachhängender Gedanke vom letzten Album nach, bevor „The One“ sich zwar stilistisch im 80er-Pop neu einordnet, aber wieder von bekanntem Herzschmerz handelt. Danach wandelt Hackman fieberhaft durch drei verschiedene Dekaden, verpasst dabei aber allem einen roten Faden zu verpassen. Das zahm an Aimee Mann erinnernde „All Night“ schwingt in ganz andere Richtungen als „The One“, bevor „Blow“ wieder so tut, als wären wir alle auf der gleichen 80er Party.

Danach pegelt sich das Album so sehr ein, dass die Gitarrensoli verdächtig einheitlich klingen und der Mittelteil von „Send My Love“ unfreiwillig Erinnerungen an „Blow“ und „The One“ weckt. Obwohl Marika Hackman innerhalb ihrer Lieder mit verschiedenen Mitteln in Sachen Gesang und Instrumentalisierung variiert, mischen sich auf unglückliche Weise Wiederholungen ein, die den einzelnen Liedern Einzigartigkeit rauben, ohne dem Album eine übergreifende Identität zu verpassen.

Es schleicht sich das Gefühl ein, dass viele Lieder mit einer losen Idee eines Musikstils geschaffen wurden und sich die Aufgabe zugunsten des Stils als wichtiger als Eigenständigkeit herausstellte. Spätestens bei „Come Undone“ wird klar, dass Hackman weiß, wie man einen Pop-Song schreibt, aber scheinbar keinen Bezug zu den darin transportierten Gefühlen hat. „Come Undone“ ist weder fröhlich, noch traurig, zu flippig, um nachdenklich zu sein und trotzdem irgendwie melancholisch. Vielleicht wollte Hackman nicht verletzlich wirken. Vielleicht wollte sie es zu sehr. Woran Hörer sind, ist bis auf wenige Ausnahmen leider nicht klar.

Anspieltipps:

  • Any Human Friend
  • Hand Solo
  • All Night

Neue Kritiken im Genre „Singer/Songwriter“
Diskutiere über „Marika Hackman“
comments powered by Disqus