Jacob Karlzon - Open Waters - Cover
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Jacob Karlzon Open Waters


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 48 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
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Jacob Karlzon lässt mit „Open Waters“ erneut eine Fingerübung von der Rolle, die bei angenehmer Gefälligkeit eine gewisse Entschiedenheit vermissen lässt.

An Jacob Karlzons technischen Fähigkeiten muss nichts bezweifelt werden. Der Südschwede hat nicht umsonst einen Vertrag bei einem Major Label und konnte trotz seiner gebremsten Art Fans von sich überzeugen. Eine Art Antriebslosigkeit wegzureden, wäre allerdings auch zu freundlich. Bereits auf „Now“ nahm Karlzon seiner Musik die Spannung, sobald er auf die Verbindung mit synthetischen Klängen verzichtete. Auf „Open Waters“ zeigt der Pianist sich entschlossener, weniger verhalten und fokussierter auf Unterhaltung. Für den großen Wurf reicht es für den Mann mit der großen Begabung auf dem neuen Album aber noch nicht.

Während sich Karlzon in „Coastline“ und besonders in „Secret Rooms“ zu gerne in einem Strudel aus Improvisation zu verlieren scheint, zeigt sich dennoch, dass hinter der Freiheit ein Korsett steht. Karlzon hält seine Lieder im Zaum und damit in Bewegung. Zwar verliert die Dynamik auf „Open Waters“ stets aufs Neue den Faden, doch Karlzon weiß zu seinen Stärken zurückzukehren, sodass auch ein „Slave To Grace“ und „Coastline“ in sicheren Gefilden landen. Im Mittelteil der Lieder harren Hörer dagegen oft aus, wie der Pianist anscheinend nach etwas auf der Suche ist. Statt einprägsamen Momenten erinnern diese Ausflüge eher an obligatorische Gitarrensoli in Rocksongs, ohne dass dadurch eine besondere Stimmung erzeugt wird.

Stattdessen finden sich die Stärken auf „Open Waters“ in der Eingängigkeit eines „How It Ends“ und der treibenden Kraft eines „Panorama“, das bei allen Freiheiten nie den eingeschlagenen Pfad verlässt. Solche Strukturen sind auf dem kompletten Album zumindest erkennbar und das allein fördert das Hörvergnügen ungemein. Gleichzeitig bleibt Karlzons Musik ein zurückhaltendes Erlebnis, die ihr Heil zu selten in der Ruhe und dafür in Komplexität sucht, die den Genuss zwar nicht schmälert, aber auch nicht antreibt. „Open Waters“ wird niemandem sauer aufstoßen. Die Gefahr, dass die Musik überhört wird, besteht dagegen weiterhin.

Anspieltipps:

  • Panorama
  • Coastline
  • How It Ends

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