Wanda - Ciao! - Cover
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Wanda Ciao!


  • Label: Vertigo/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 57 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
8.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Schon gewusst? Die Beatles sind still alive und kommen eigentlich aus Österreich.

Als uns unsere österreichischen Nachbarn vor gut fünf Jahren mit der Gruppe Wanda wieder einmal ein paar ebenso überraschende wie überzeugende Newcomer aus ihrer musikalischen Wundertüte gezaubert hatten, war dies wirklich aller Ehren wert. Denn mit ihrem herrlich versoffen klingenden Indie-Rock und dem typischen Wiener Schmäh, besetzten Marco Michael Wanda (Gesang, Gitarre), Christian Immanuel Hummer (Keyboards), Manuel Christoph Poppe (Gitarre), Reinhold Weber (Bass) und Lukas Hasitschka (Schlagzeug) eine verwaiste Lücke in der Rock-Landschaft, die aus der Piefke-Ecke nicht bedient werden konnte. Dass eben dieser Ösi-Charme auch jede Menge Hass freisetzen kann – umso besser. Wanda polarisieren und erzeugen damit Spannung und Reibung beim Publikum. Und das ist allemal besser als Langeweile und Routine.

Mit ihrem neuesten Werk setzen Wanda die Tradition der knackigen-kurzen Albumtitel fort und präsentieren uns nach „Amore“, „Bussi“ und „Niente“ jetzt also „Ciao!“. Doch was soll uns der Titel diesmal sagen? Läuten Wanda etwa das Ende ihrer Karriere ein oder verstehen wir einfach diese Form des Wanda-Humors nicht? Letzteres ist wohl der Fall. Denn Wanda wollen auch weiterhin nur spielen und im Fall von „Ciao!“ ihre ur-eigene Interpretation des BritPop darbieten. Aus welcher Epoche spielt dabei keine Rolle. Wanda greifen per Rollgriff einfach die letzten Jahrzehnte im Paket ab und machen dabei auch nicht vor den Beatles („Ein komischer Traum“, „Gerda Rogers“) und Oasis („Der Erste der aufwacht“) Halt.

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Dabei gefallen vor allem die psychedelischen Komponenten aus der Spätphase der Beatles („Swing Shit Slide Show“), auch wenn die Österreicher dabei auch schon mal ins Schlager- und Volksmusik-Fach der 60er Jahre abrutschen („Vielleicht“). Egal! Die Entschlossenheit ihres Tuns ist jedenfalls erstaunlich. Produziert hat diese sympathische Ausprägung von Ösi-Größenwahn erneut Wandas Landsmann Paul Gallister (Der Nino aus Wien, Eluveitie), der mit seinen Spezies heuer zwar keinen neuen Überhit à la „Bologna“ abliefert, aber dafür so etwas wie eine gereifte Mischung aus „Amore“ und „Niente“.

Pathos, Rock’n’Roll, Größenwahn, Heldenverehrung, Mut zur Lücke und die richtigen Songs zur richtigen Zeit. Wanda zelebrieren ihren liebenswerten Wahnsinn zum vierten Mal, ohne dabei zu schwächeln. Sie polarisieren zwar keinen Deut weniger als vor fünf Jahren, finden aber immer mehr eine Linie die zukunftsfähig ist und erwirken nicht mehr den Eindruck, als würden sie die Kerze permanent von beiden Seiten anzünden.

Anspieltipps:

  • Domian
  • Ciao Baby
  • Gerda Rogers
  • Ein komischer Traum
  • Swing Shit Slide Show
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