Keane - Cause And Effect - Cover
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Keane Cause And Effect


  • Label: Island/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 46 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Keane-Rückkehr mit „Cause And Effect“ ist eine verschwommene Spiegelung dessen, was die Briten zu einer der besten BritPop-Bands ihrer Zeit gemacht hat.

Auch wenn die Keane-Auflösung nach dem überragenden „Strangeland“ durchaus eine traurige Nachricht war, hatten Keane zu diesem Zeitpunkt etwas geschafft, was nicht viele Bands fertig brachten. Sie hatten sich zum richtigen Zeitpunkt verneigt und ihr Schaffen auf einem sehr hohen Niveau beendet. Die Rückkehr mit „Cause And Effect“ ist dementsprechend bittersüß, da die Vorab-Singles „The Way I Feel“ und „Love Too Much“ nicht die Klasse von „Perfect Symmetry“ und „Strangeland“ heranreichen. Tom Chaplins ist weiterhin ein Genuss, doch „Cause And Effect“ lässt Fans eher vermissen, was die Band früher mitbrachte.

Das neue Album ist ein Bombast, der mit seinem Sound alles wegbläst, statt Gefühle zuzulassen. Dabei hatte Keane den Schritt von den introvertierten Romantikern zu übermenschlich großen Gefühlen bereits gemeistert. Auf „Cause And Effect“ klingt vieles berechnet. Zwar zwingt die Band sich weiterhin Experimente auf („Put The Radio On“), die aber lediglich wie Ausreden wirken und wie Interluden an Hörern vorbeigehen. Keane gelingt es selten, Chaplins Stärken wie in „Strange Room“ als Trumpfkarte auszuspielen. Mit genügend Raum verwandelt der Engelsgesang des Engländers weiterhin auch durchschnittliche Lieder in Perlen.

Die Schuld bei Chef-Komponist Tim Rice-Oxley zu suchen, ist ein wenig billig. Es verwundert jedoch, warum der Vater vieler Pop-Großtaten nicht selbstbewusster zu alten Tricks greift. Die 80er-Ballade „Stupid Things“ funktioniert wie zu „Perfect Symmetry“-Zeiten wunderbar. Warum die Band stattdessen dem modernen Breitband-Pop (z.B. im Opener „You’re Not Home“) nacheifert, lässt sich aus qualitativer Sicht nie begreifen. Gegen eine Fortentwicklung der Keane-Formel wäre natürlich auch nichts auszusetzen, doch dafür klammern sich die meisten Stücke wie die Singles zu stark an alte Formeln. Und auch wenn einige Bands von der Großspurigkeit eines „Phases“ träumen, ist das für Keane Mittelmaß, das weiterhin mit der emotionalen Handbremse zu kämpfen hat. Das Singen mit geschlossenen Augen und die Träne im Augenwinkel lassen sich bei Stücken wie „I’m Not Leaving“ höchstens erahnen. Mit „Chase The Night Away“ dürfte jeder erkennen, dass Keane sich inzwischen in zahmerer Form kopieren.

Fazit: Wo früher große Gefühle herrschten, regieren auf „Cause And Effect“ große Klänge. Keane, eine der besten BritPop-Bands ihrer Zeit, deuten unfreiwillig an, dass ihre Zeit vorbei sein könnte.

Anspieltipps:

  • Strange Room
  • Stupid Things
  • Too Much Love

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