Leeroy Stagger - Strange Path - Cover
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Leeroy Stagger Strange Path


  • Label: True North/ALIVE
  • Laufzeit: 43 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Der erfahrene, fleißige Americana/Roots-Rock-Künstler Leroy Stagger flirtet auf „Strange Path“ manchmal mit trivialen Pop-Zutaten.

Der Singer/Songwriter Leroy Stagger aus Kanada ist wandlungsfähig. Sowohl privat wie auch musikalisch: Aus dem ehemaligen Punk-Rocker wurde ein sensibler Americana- und Roots-Rock-Allrounder und aus dem Trinker ein trockener, verantwortungsvoller Familienvater. Stagger fragt sich in diesem Zusammenhang, ob sich die Seele genauso wie die Körperzellen alle zehn Jahre vollständig erneuert, da er nicht mehr dieselbe Person wie früher zu sein scheint. Jedenfalls ist Leroy ein wacher Geist und kritischer Beobachter seiner eigenen Kunst, dem daran gelegen ist, grundsätzlich das Gute und Echte zu bewahren.

Seit 2005 war der hemdsärmelige Kumpel-Typ an über einem Dutzend Veröffentlichungen beteiligt, entweder unter eigenem Namen oder als ESP, zusammen mit seinen Kollegen Tim Easton (ex-Haynes Boys) und Evan Phillips (The Whipsaws). Sein neuestes Album „Strange Path“ bezieht sich auf seinen wechselvollen Lebensweg und ist in gewisser Weise die musikalische Ergänzung des im Mai dieses Jahres erschienenen Folk- und Country-basierten „Me And The Mountain“. Aktuell beschreitet der 1982 geborene Musiker nämlich hauptsächlich einen Roots-Rock- und Pop-Weg, bei dem ihn unter anderem der Schlagzeuger Pete Thomas (Elvis Costello), die Gitarristen Paul Rigby (Neko Case) und Ryland Moranz sowie der Keyboarder Michael Ayotte unterstützen. Abgeklärt, straff, mit stetig wachsendem Elan und rundem Band-Sound startet „Strange Path“ mit dem detailverliebten Folk-Rock „Mother“ durch. Gutgelaunt, mit einem gewissen Dire Straits-Twang, macht dann der Pop-Rock „Deeper Well“ auf sich aufmerksam. Das quirlige „Breaking News“ führt mit seinen flippigen, angeschrägten Einfällen zurück zum New Wave der 1980er Jahre. „Strange Attractor“ klingt dagegen wie eine Glam-Rock-Version des Hits „Spirit In The Sky“ von Norman Greenbaum aus dem Jahr 1969.

Die Ballade „Nobody Alive (Gets Out Of Here)“ verliert sich anschließend zwischen angedeuteter Ergriffenheit und gelebter Romantik im seichten Betroffenheits-Niemandsland. Der Rocker „Jesus And Buddah“ macht diesen weichgespülten Ausrutscher durch Spritzigkeit, Gradlinigkeit und Schärfe wieder wett. „These Things“ ist eine weitere Ballade, die zwar hinsichtlich der verbreiteten Süße erträglich ist, weil sie durch ein inspiriertes Gitarren-Solo aus der belanglos dargebotenen Weinerlichkeit gerissen wird, begibt sich aber nicht in besondere emotionale Tiefen. „Hey Hey! (Song For Gord)“ beginnt als belebender Folk-Song, bekommt aber im Verlauf immer mehr seichte Mitsing-Pop-Elemente verpasst. Leonard Cohen (Is Dead)“ erzeugt eine bedrückende, monotone Grund-Stimmung. Diese wird ab und zu durch aufbrechende Gitarren-Akkorde aufgehellt. Der schwüle, wendige Soul-Rock „Get To Love“ lässt die Qualitäten von Staggers Begleitmusikern eindrucksvoll zu Tage treten. Die Band spielt nämlich äußerst inspiriert, wirkt giftig-süß und groovt raffiniert. „The Light“ macht das Unspektakuläre zu seinem Markenzeichen und lässt sich lange damit Zeit, einen speziellen, haftenbleibenden Duft zu verströmen.

Leroy ist definitiv ein versierter Songpoet. Das hat er ausgiebig bewiesen. Seine Lieder können anrühren und aufwühlen. So wurde z.B. der coole Pop-Song „Just In Case“ von dem Debüt „Beautiful House“ aus 2005 in einer Folge der Krankenhaus-Serie „Grey`s Anatomy“ wirkungsvoll eingesetzt und verhalf dem damals 24jährigen Musiker zu größerer Bekanntheit. „Strange Path“ ist tendenziell ziemlich weit weg vom klassischen Americana-Terrain, das Stagger schon oft gekonnt und souverän beackert hat. Auch im Roots-Rock hat er längst seine individuelle Nische zwischen John Mellencamp, Tom Petty und Steve Earle gefunden. Die neuerlichen Verbeugungen in Richtung Pop bringen das bewährte robuste Konzept bei manchen Liedern („Nobody Alive (Gets Out Of Here)“, „These Things“, „Hey Hey! (Song For Gord)“) jedoch zum Wanken. Es stürzt zwar nicht in sich zusammen, wackelt aber bisweilen bedenklich. Das neue Werk offenbart aber trotzdem in weiten Teilen die gewohnt ausgereifte Qualität von Leroy Stagger als Musiker und Komponist. Es kann allerdings nicht vollends überzeugen, da der Kanadier dann am glaubwürdigsten und überzeugendsten erscheint, wenn er sich pur und unverstellt, handfest oder beschwingt rockend, folkloristisch-grazil oder ländlich wehmütig zeigt.

Anspieltipps:

  • Mother
  • Strange Attractor
  • Jesus And Buddah
  • Leonard Cohen (Is Dead)
  • Get To Love

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