Jamie Lenman - Shuffle - Cover
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Jamie Lenman Shuffle


  • Label: Big Scary Monsters/ALIVE
  • Laufzeit: 40 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Jamie Lenman steht mit „Shuffle“ kurz davor, eins der wenigen echten Alternative-Rock-Alben in diesem Jahrzehnt herauszubringen. Der Konjunktiv und experimenteller Größenwahn machen einen Strich durch diese Rechnung.

Jamie Lenman verführt uns dazu, bei „Shuffle“ über eine vorgelesene Passage aus Moby Dick („The Pequod Meets The Delight“), aufgesetztes Spoken Word („You’re The Boss“) und das Prinzip ständig wechselnder Musik und Launen zu sinnieren. Dass dabei ein potenziell gutes Alternative-Rock mit rotziger Attitüde auf der Strecke bleibt, gerät in Vergessenheit, bevor „Shuffle“ überhaupt sein Ende erreicht hat. Vielleicht ist Lenmans Projekt gerade deswegen ein Erfolg. Doch auch dann wäre es ein Erfolg, der in gewisser Weise zum Scheitern verurteilt war.

Nach heiterem Einstieg mit Verweis auf das ständige Überspringen von Liedern schmeißt Lenman seine Hörer direkt ins Mosh Pit und rockt mit „Tomorrow Never Knows“ und „Killer“ die Socken von den Füßen. Bei „Taxi Driver“ wähnen sich Hörer noch im „Shuffle Spiel“, da Lenman nach der gefühlten Jam-Session erneut zur „Shuffle“-Rahmenhandlung als Stilmittel greift und diverse Töne überspringt, um ein einminütiges Punk-Intermezzo einzustreuen. Statt dieser Fahrt zu folgen, folgen besagter Spoken-Word-Ausflug, World Musik und Power-Pop.

Zum vermeintlichen Kern des Albums gehörende Stücke wie „Coda“ und „Adamantium Rage“ gehen mit zunehmender Spieldauer immer weiter unter. Gerade wenn „Love Song For A Vampire“ den Karren mit unerwartet gutem Kitsch wieder in die Spur zu bekommen scheint, reißen Moby Dick und ein fehlgeleiteter The-Beatles-Core-Tribute mit „Hey Jude“ aggressiv die vierte Wand ein.

Zu diesem Zeitpunkt ist nicht mehr klar, ob Lenman sich einen großen Spaß gemacht hat, Kritik an der Hektik unserer modernen Welt übt oder ganz andere Pläne verfolgt. Inmitten dieses Chaos verbergen sich Perlen, die Fans besänftigen, nicht aber die zerrüttete Leere zwischen Liedern stopfen werden. Aber vielleicht will Lenman das auch gar nicht und lässt sein unrundes, aber faszinierendes Album auf seine Hörer niederprasseln. „Shuffle“ ist nicht das beste Album des Jahres, aber es ist interessant. Und auch kritische Stimmen werden für den ein oder anderen Song zurückkehren und sich beim nächsten Mal ertappen, wenn sie vor Unentschlossenheit auf Shuffle stellen und das Kauderwelsch aus Stilen und Emotionen nicht weiter hinterfragen.

Anspieltipps:

  • Love Song For A Vampire
  • The Remembrance
  • Tomorrow Never Knows

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