Tim Bendzko - Filter - Cover
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Tim Bendzko Filter


  • Label: Jive/Sony Music
  • Laufzeit: 39 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Tim Bendzko stellt den Hörer mit sich selbst analysierendem Betroffenheits-Pop und einem lamentierenden Erzähl- und Gesangsstil auf die Probe.

Er kam, um nur mal schnell die Welt zu retten und ist nun schon seit acht Jahren im Pop-Biz dabei: Tim Bendzko (34). Zwei Nummer-1-Alben und drei Top-10-Singles stellen bis dato seine kommerziell erfolgreichste Ausbeute dar, wobei der Song „Hoch“ schon im Sommer dieses Jahres als Vorbote des neuen Longplayers ausgekoppelt wurde. Dieser lautet auf den Namen „Filter“ und ist das Ergebnis einer radikalen Entwicklung, mit der Tim Bendzko schon auf dem Vorgänger „Immer noch Mensch“ (10/2016) begonnen hatte und nun fortsetzt.

Nachdem Tim Bendzko sein Leben also „in allen denkbaren Dimensionen“ ausgemistet hat, soll seine Musik nun wieder positiver klingen, obwohl natürlich auch von der scheinbaren Weinerlichkeit und der Melancholie von „Immer noch Mensch“ ein großer Reiz ausging. Und um es vorwegzunehmen: Gänzlich abschütteln konnte Tim Bendzko dieses Stilmittel auch auf „Filter“ nicht, an dem auch Rapper Kool Savas und Milow mitgearbeitet haben. Insgesamt wurden für das Album 13 Songs aufgenommen, die Tim Bendzko zusammen mit Timothy Auld und Benedikt Schöller vom Produzenten-Netzwerk Truva Music (Lena, Die Lochis, Culcha Candela, Mike Singer, Kelvin Jones, Michael Patrick Kelly) in der ländlichen Abgeschiedenheit Mecklenburg-Vorpommerns eingespielt hat.

Bild

Obwohl die Produktion grundsätzlich stimmig, modern und angenehm reduziert ist und mit Orchesterklängen sparsam umgegangen wird, ist das Endergebnis ein zwiespältiges Vergnügen. Bemüht um eine positive Aufbruchsstimmung, die in Stücken wie „Hoch“ und „Vielleicht“ sowie mit Abstrichen auch in „Laut“ und „Nie mehr zurück“ in der Tat auch aufkommt, vermittelt Tim Bendzko ansonsten den Eindruck einer für den katholischen Kirchentag vertonten Therapiesitzung, die insbesondere unter einem lamentierenden Erzähl- und Gesangsstil leidet („Trag dich“).

Tim Bendzko entwirft dazu Texte, die immer irgendwie auf das Leben schauen, gerne gute Ratschläge verteilen, aber den geneigten Hörer zu keiner Zeit berühren. Mit dieser Form des sich selbst analysierendem Betroffenheits-Pop stellt der Berliner seine Hörer schwer auf die Probe, denn gute Laune kommt während der – zum Glück! – relativ kurzen Spielzeit nie auf, was ja auch nicht zwingend sein muss. Allerdings wird das gegenteilige Stimmungsextrem auf eine Weise bedient, die einfach keine Wirkung zeigt.

Anspieltipps:

  • Laut
  • Leise
  • Hoch
  • Vielleicht
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