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Motörhead Overkill (40th Anniversary Edition)


  • Label: BMG Rights Management
  • Laufzeit: 100 Minuten
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8.5/10 Unsere Wertung Legende
9.3/10 Leserwertung Stimme ab!

1979 war das Jahr des Durchbruchs für Motörhead. Diesem Ereignis wird zum 40. Jubiläum mit dem Start einer Re-Release-Reihe Tribut gezollt.

Wer geglaubt hatte, dass Motörhead nach dem Tod von Frontmann und Bandchef Lemmy Kilmister aus kommerzieller Sicht für immer das Zeitliche gesegnet hat, hat entweder vom Musik-Business keine Ahnung oder ist ein hoffnungsloser Romantiker. Denn eigentlich wissen wir doch alle, dass es nach dem Tod großer Musiker-Persönlichkeiten erst so richtig losgeht mit der Ausschlachtung des Erbens und einer gnadenlos agierenden Vermarktungsmaschinerie. Der tote Star kann sich schließlich nicht mehr dagegen wehren, und wer auch immer die Hand auf dem Nachlass hat oder sonst wie davon profitiert, freut sich über den regelmäßigen warmen Geldregen.

Im Hause Motörhead, das mit den Nachlassverwaltern von Ian „Lemmy“ Kilmister (gestorben 2015), „Fast“ Eddie Clarke (gestorben 2018) und Phil „Philthy Animal“ Taylor (gestorben 2015) gleichzusetzen ist und sicher auch dem Segen des letzten Line-ups (Phil Campbell und Mikkey Dee) genießt, kooperiert man jetzt mit dem Label BMG Rights Management. Dieses hat, nach mehrjähriger Planung, eine umfangreiche Re-Release-Reihe des Motörhead-Backkatalogs aus den 70er, 80er und 90er Jahren angekündigt, die mit einem Box-Set namens „1979“ und den Einzelveröffentlichungen von „Overkill“ (ursprünglich im März 1979 erschienen) und „Bomber“ (Oktober 1979) startet und den Hardcore-Fans ganz bestimmt über Jahre hinweg das Geld aus den Taschen ziehen wird.

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Konsequenterweise nimmt die Wiederveröffentlichungsreihe nicht den Urknall der 1975 gegründeten Band auf, sondern das Jahr, in dem Motörhead mit gleich zwei Album-Veröffentlichungen so richtig durchstarteten: 1979. Das bedeutet, dass sowohl das selbstbetitelte offizielle Debütalbum aus dem Jahr 1977, ursprünglich auf dem ominösen Label Chiswick Records erschienen, unter den Tisch fällt, wie auch das bereits 1975 fertiggestellte „On Parole“-Werk, das erst im Dezember 1979 auf den Markt kam, als Motörhead längst Erfolg hatten und dieser von dem US-Label United Artists Records mit schlankem Aufwand ausgekostet werden wollte. Ein schlanker Aufwand wird für die Motörhead-Wiederveröffentlichungen dagegen nicht betrieben.

Wie wir alle wissen, wird mit Luxus-Box-Sets, die geschickt in der Vorweihnachtszeit auf den Markt geworfen werden, amtlich Geld verdient. Bei der Zielgruppe im reifen Rock’n’Roll-Alter sitzt die Kohle vergleichsweise locker, sodass die Box-Sets immer fetter und umfangreicher werden. In Sachen „1979“ bedeutet dies, dass die beiden Originalwerke neu gemastert auf 180 Gramm Vinyl gepresst und um zwei Doppel-Live-Alben ergänzt wurden. Für weiteres Material wurde in den Privatarchiven der Band und von Crew-Mitgliedern sowie bei Freunden und Fans gestöbert. Dadurch kommen als Bonus B-Seiten, Outtakes und Raritäten auf einer weiteren Vinyl-Scheibe, sowie der übliche Sammlerramsch zusammen. Hier haben wir eine 7“ Single, Bades, Notenhefte, Tour-Programme sowie eine Verpackung im Biker-Lederjacken-Stil zu bestaunen.

Klingt teuer und ist auch teuer. Deshalb: Es geht auch eine Nummer kleiner. Und zwar mit den Einzelveröffentlichungen von „Overkill“ und „Bomber“ als Doppel-CDs in schönen Hardcover-Bookpacks bzw. als edle Dreifach-Vinyl-Ausgaben. Beide Original-Longplayer wurden digital aufgefrischt und jeweils um ein Live-Album ergänzt. Im Fall von „Overkill“ liegt dem Digibook der Mitschnitt „Live At The Aylesbury Friars, 31st March 1979“ bei und stellt damit den zentralen Kaufgrund für den vorliegenden Re-Release dar. Klanglich muss sich der Hörer auf einen Konzertmitschnitt in besserer Bootleg-Qualität vorbereiten, bei dem in erster Linie der geschichtliche Aspekt zählt – und natürlich ein Wiederhören mit der legendären Formation Lemmy Kilmister (Bass, Gesang), Eddie Clarke (Gitarre) und Phil Taylor (Drums).

Für beide Live-Alben als Bonus-Beilagen zu „Overkill“ und „Bomber“ gilt, dass sie für alle Fans unverzichtbare, historische Ton-Dokumente darstellen, bei denen man gerne ein Auge hinsichtlich der Tonqualität zudrückt. Angesichts des Alters der Aufnahmen und der Herkunft der Aufnahmen hätte das Ganze auch schlimmer ausfallen können. So aber gibt es eine authentische Breitseite Motörhead-Hardrock der ausgehenden 70er Jahre mit frühen Klassikern wie „No class“, „Motörhead“, „Stay clean“ oder auch „Too late, too late“, von denen sich der geneigte Hörer bei entsprechender Lautstärke eine stylische Fönfrisur verpassen lassen kann, die Lemmy vermutlich nur kopfschüttelnd kommentiert hätte.

Anspieltipps:

  • No class (live)
  • Motörhead (live)
  • White line fever (live)
  • Iron horse / born to lose (live)
  • (I won’t) pay your price (live)
  • Keep us on the road (live)
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