Dirk Darmstaedter - Strange Companions - Cover
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Dirk Darmstaedter Strange Companions


  • Label: Beg Steal & Borrow
  • Laufzeit: 42 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
10/10 Leserwertung Stimme ab!

Ein herrlich unaufgeregtes Popalbum, das die Leichtigkeit des frühen Sixties-Pop atmet.

1.400 leicht nostalgisch veranlagte Indie-Pop-Fans, die in den 80er Jahren musikalisch sozialisiert wurden, war am 18. Januar dieses Jahres noch einmal wie Weihnachten zumute. Im Hamburger Docks-Club hatten The Jeremy Days knapp 24 Jahre nach ihrer Auflösung zum Jubiläumskonzert geladen und damit nicht nur die Besucher glücklich gemacht, sondern auch die Band um Sänger Dirk Darmstaedter (54) in einen Taumel der Glückseligkeit katapultiert. Schnell wurde für den Herbst/Winter 2019 eine Tournee mit acht zusätzlichen Terminen angesetzt, die sicherlich gut besucht sein werden. Doch bis es soweit ist, gilt es noch das zehnte Solowerk von Dirk Darmstaedter, mit dem er dann 2020 auf Tournee gehen wird.

Mit „Strange Companions“ läutet Dirk Darmstaedter die ungefähr vierte Phase seiner Laufbahn ein. Nach seiner Zeit bei den Jeremy Days, der Gründung und jahrelangen Geschäftsführung des Indie-Labels Tapete Records, seiner mittlerweile über 20-jährigen Solokarriere (Jubiläum war im Jahr 2017) und diversen anderen Projekten, steht nun der nächste Lebensabschnitt an: Die nächsten 20 Jahre seiner Solokarriere. Es ei denn, es kommt noch mal etwas ganz Verrücktes dazwischen. Ein neues Studioalbum der Jeremy Days zum Beispiel. Lassen wir uns einfach überraschen, was der Hamburger noch so alles im Köcher hat.

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Auch wenn der Gedanke an ein Album für die „Generation Playlist“ heutzutage absurd erscheint und auch Dirk Darmstaedter seine neuen Songs Stück für Stück kurz nach der Fertigstellung digital veröffentlichte, kam am Ende mit „Strange Companions“ doch wieder eine klassische Songsammlung heraus, mit der die Ansprüche an eben diese vermeintlich altmodische Veröffentlichungsform voll und ganz erfüllt werden. Will heißen: Darmstaedter serviert seinen Hörern keinen willkürlichen Flickenteppich, sondern zehn Tracks wie aus einem Guss.

Dabei gelingen dem 54-Jährigen immer wieder anspruchsvolle, aber eingängige Stücke wie „Thirty seconds“ oder auch „Family ties“, die die Leichtigkeit von frühem Sixties-Pop atmen („Deborah“, „Second chance“) und dementsprechend ohne besonderen instrumentalen Schnickschnack auskommen. So hat es beispielsweise einen besonderen Charme, wenn Dirk Darmstaedter im eröffnenden Folk-Pop-Song „Wilhelmsburg“ eine Ode an seinen Hamburger Heimatstadtteil abliefert, die durch die englischen Lyrics und die besondere Aussprache („Wilhelmsbörg“) klingt, als würde er über das in den USA gelegene „Williamsburg“ singen.

Auf diese Weise gelingt Dirk Darmstaedter ein herrlich unaufgeregtes Popalbum für ein erwachsenes Publikum, dessen Aufmerksamkeitsspanne für zehn Songs eines Künstlers noch locker ausreicht und das die Vorzüge dieses Konzepts noch zu schätzen weiß.

Anspieltipps:

  • Family ties
  • Wilhelmsburg
  • Thirty seconds
  • Second chance
  • Don’t want to feel like myself tonite
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