Konstantin Wecker - Weltenbrand - Cover
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Konstantin Wecker Weltenbrand


  • Label: Sturm & Klang/ALIVE
  • Laufzeit: 140 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
4.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Vier Worte, vier Paragraphen, vier Bücher: nach über 40 Jahren lässt sich zu Konstantin Wecker nicht genug schreiben. Mit „Weltenbrand“ beweist Wecker abermals die Zeitlosigkeit seiner Ehrlichkeit.

Nach 46 Liedern, Ansagen, Gedichtauszügen und Appellen herrscht Stille. Auf „Weltenbrand“ überfordert Konstantin Wecker seine Hörer beinahe mit der puren Masse aus über vierzig Jahren Musikgeschichte. Dass diese Geschichte nahezu komplett aus Weckers eigener Feder stammt, ist dabei nicht annähernd so bewundernswert, wie die Qualität der Musik selbst. Weckers politische Lieder sind aktuell geblieben und begleiten ein Nachkriegsdeutschland, das sich in seinen Augen nie von diesem Zusatz „Nachkriegs-“ hat trennen können.

Schönheit und Tragik geben sich die Hand, wenn Stimmen betagter Herren wie Reinhard Mey und Wecker uns weiterhin mahnen zu erinnern. Doch so majestätisch wie Wecker gemeinsam mit dem Kammerorchester des Bayerischen Rundfunks seine Lieder schmettert, obsiegt die Hoffnung, dass Menschen letztlich „Brücken schlagen, über Strömen, die vergeh’n“ (aus „Stürmische Zeiten, Mein Schatz“). Wer sich an politisch aufgeladener Musik stört, der mochte Wecker wahrscheinlich sowieso nicht. Freunde erfreuen sich daran, dass Wecker zumeist auf Parolen verzichtet, sondern Größen wie Erich Kästner und Rainer Maria Rilke zitiert und aus seinem Leben erzählt.

Konstantin Weckers „Weltenbrand“ ließe sich problemlos auf ein einfaches Live-Album herunter kochen, das nahe an der Perfektion ist. Gerade die zweite CD lässt die Dynamik der ersten CD mit Reprisen und gelungenen Wechseln zwischen laut und leise etwas vermissen. Die Einblicke in den weckerschen Wort- und Gedankenschatz sind dabei ein guter Grund dafür, dass der Auftritt weit über zwei Stunden andauert. Die Meisterwerke ragen weiterhin hervor und zu keinem Zeitpunkt kommt das Gefühl auf, dass der Liedermacher sein Publikum mit Quantität abspeist.

Wer den sprechend warmen Gesang der großen Liedermacher-Schule nicht mag, der bekommt dank der orchestralen Aufführung eventuell einen leichteren Zugang. Weckers Melodien funktionieren wie seine Texte auch weiterhin. Die Musik verlangt nach großen Gesten und bedächtigen Momenten. Auf „Weltenbrand“ findet sich ein Katalog vor, der sich nie auf Genres reduziert, sondern stets der Liebe zur Musik hingegeben hat. Wecker muss sich für keinen Moment seiner Karriere schämen, wenn nach allen Tiefen und Höhen eine solch imposante Sammlung zustande gekommen ist. Wer seine Mitmenschen ehrlich fühlen lassen kann, dass sie sich wünschen, „dass diese Welt nie ende“, hat erreicht, was sich viele wünschen.

Anspieltipps:

  • Stürmische Zeiten, Mein Schatz
  • Nur Dafür Lasst Uns Leben
  • Vom Schwimmen In Seen und Flüssen

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