Lana Del Rey - Norman Fucking Rockwell! - Cover
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Lana Del Rey Norman Fucking Rockwell!


  • Label: Vertigo/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 68 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
7.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Musik, die für depressiv veranlagte Menschen definitiv nicht geeignet ist.

Obwohl Lana Del Rey (34) seit 2012 „erst“ vier Studioalben veröffentlich hat, was rein quantitativ natürlich sehr gut ist, wird die junge Sängerin und Songschreiberin bereits als Ikone der Popmusik bezeichnet. Andere Künstlerinnen, die aus kommerzieller Sicht bei Weitem besser performen, sehen sich diesbezüglich einer weitaus kritischeren Anschauung gegenüber, was wieder einmal beweist: Singlehits, die im Radio rauf und runtergespielt werden, sind nicht zwingend der ausschlaggebende Punkt, um einen Künstler zu beurteilen.

So trat Lana Del Rey schon vom Beginn ihrer Kariere als ein selbst geschaffenes Gesamtkunstwerk aus Musik, Videos, Fotos und Legendenbildung auf, das mehr als nur ein Popstar sein will. So viel Theater um die Musik herum, ist nicht jedermanns Sache, gehört aber seit jeher zur Popmusik dazu. Wichtig ist nur, dass das Ganze authentisch wirkt und das Publikum mitnimmt. Mit „Norman Fucking Rockwell!“ (bezugnehmend auf den amerikanischen Schriftsteller und Maler) will Lana Del Rey genau dies schaffen und tritt damit in diesem Jahr gegen Taylor Swifts (29) in der Vorwoche veröffentlichten „Lover“-Album in der Kategorie „Popalbum des Jahres“ an.

Äußerst interessant ist in diesem Zusammenhang, dass Lana Del Rey genau wie Taylor Swift den Löwenanteil ihres Longplayers zusammen mit Jack Antonoff (St. Vincent, Troye Sivan, Lorde, Carly Rae Jepsen) komponiert und eingespielt hat. Eine bessere Parallele kann sich der vergleichende Hörer nicht wünschen. Zudem waren an „Norman Fuckin Rockwell!“ auch Rick Nowels (Madonna, Lykke Li, Nelly Furtado), Andrew Watt (Justin Bieber, Post Malone, Rita Ora), Happy Perez (Ariana Grande, Halsey, Chris Brown) und Dean Reid (Dua Lipa, Stevie Nicks, Ke$ha) beteiligt. An der Tatsache, dass Lana Del Reys Musik weiterhin mit der Atmosphäre der 50er und 60er Jahren und den damit verbundenen „amerikanischen Traum“ liebäugelt, ändert dies freilich nichts.

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So sind Melancholie und Traurigkeit auch weiterhin zentraler Bestandteil in der Musik der 34-Jährigen („Mariners apartment complex“), die auf einer spärlichen, organischen Instrumentierung mit Strichern, akustischen Gitarren, Pianoklängen und dezenten elektronischen Tupfern aufbaut. Für „normale“ Popsongs nimmt sich Lana Del Rey dabei ungewöhnlich viel Zeit pro Stück, worin immer die latente Gefahr lauert, dass die Amerikanerin in ein verträumtes Mäandern verfällt und den Hörer dabei verliert. Denn wer zum Beispiel eine Single wie „Venice bitch“ (großartiger Titel) mal eben über die 10-Minuten-Grenze rutschen lässt, der beweist fürwahr Mut.

Schnell fällt im direkten Swift/Del-Reye-Vergleich auf: Während „Lover“ ein buntes, fröhliches und fast schon makelloses Album ist, stellt „Norman Fucking Rockwell!“ ein in verschiedenen Grautönen verschwimmendes Statement dar, das die Langsamkeit für sich entdeckt hat, zahlreiche Zitate aus der Musikgeschichte wie selbstverständlich in die Texte integriert (Doin‘ time“) und dabei zwischenzeitlich das Risiko eingeht, den Hörer einzuschläfern („Cinnamon girl“). Das alles macht den Umgang mit „Norman Fucking Rockwell!“ nicht wirklich leicht, da sich im Laufe des Albums ein Geleichklang einschleicht, der einem bei aller Kunst auch amtlich den Stecker ziehen kann.

Anspieltipps:

  • Doin‘ time
  • California
  • The greatest
  • Fuck it I love you
  • Mariners apartment complex
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