Like Lovers - Everything All The Time Forever - Cover
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Like Lovers Everything All The Time Forever


  • Label: Listenrecords/Broken Silence
  • Laufzeit: 46 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Hallo, wir sind Like Lovers und wir mögen Radiohead.

Auf der Suche nach dem wegweisendsten Radiohead-Album werden sich naturgemäß die Geister scheiden. Je nach Auslegung lässt sich ab „OK Computer“ wahrscheinlich jedes Album hervorheben. Viel spricht jedoch für „Kid A“, das gerade für seinen radikalen Stilbruch wenige Lorbeeren einheimste. „Kid A“ war die Overtüre zu einer Brit-Rock verwöhnten Gesellschaft, der klar wurde, dass der klassische Gitarren-Rock nicht alles sein muss. Like Lovers sind Jünger dieser Philosophie. Unter der Regie von Jan Kerscher ist der Pop aus dem sphärischen Projekt nicht wegzudenken.

Zu Beginn verdienen sich Like Lovers die Radiohead-Sporen durchaus, wenn „Everything All The Time Forever“ und „People Shaped Mirrors“ deutlich zitieren, wenngleich der Like-Lovers-Klang sich dem Pop und nicht dem Rock verschreibt. Like Lovers driften vom unangetasteten Radiohead-Vorbild zu den etwas umstritteneren Everything Everything. Ähnlich wie diese Band gehen die Experimente gerne mit Like Lovers durch, sodass bei allen Effekten und Stilmitteln nicht immer klar ist, was diese Musik aussagen soll.

„Everything All The Time Forever“ ist ein Album, das anscheinend so viele Tonspuren übereinander zu legen versucht, wie nur möglich. Das Ergebnis ist nicht selten ein Klangwust wie aus dem Kompressor. Stimmung und Musik wirken phasenpheise erdrückt und erdrückend zugleich. Vorsichtig aufgebaute Kartenhäuser wie „Levitation“ werden vom eigenen Tonstrudel fortgespült und die versprochene Finesse der synthetischen Note ergibt sich dem Breitband-Pop.

Das Ergebnis sind oft austauschbar klingende Titel, deren Ansatz viel verspricht, diese Versprechen aber selten einlöst. Wenn Like Lovers in „People Shaped Mirrors“ und „Something Else“ große Melodien finden, lässt sich die Stadion-Ambition verzeihen. Mal eben ein Dutzend Ohrwürmer zu schreiben, ist jedoch nahezu ein Ding der Unmöglichkeit, was beim Hören von „Everything All The Time Forever“ deutlich wird. Dafür plätschert dieses Werk während seiner Dreiviertelstunde zu häufig, auch wenn das Plätschern fraglos ambitioniert ist.

Anspieltipps:

  • Something Else
  • People Shaped Mirrors
  • Alive

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