Lagwagon - Railer - Cover
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Lagwagon Railer


  • Label: Fat Wreck Chords
  • Laufzeit: 36 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Lagwagon weichen auf „Railer“ der Frage aus, wie Punkrock heute funktionieren kann.

Hübsche Melodien, nette Hooklines und ein hohes Tempo, um sich mal eine Runde austoben zu können: das klingt nicht unbedingt nach Revolte und Aufbruch. Was Punk heutzutage ausdrücken kann, ist eine ständig im Raum schwirrende Frage, wenn Lagwagon zwar kraftvoll, aber ohne Wut, Schmerz und Narben von der Welt singen. Dass Joey Cape allein und auch mit seiner Band Zwischentöne treffen kann, wurde oft genug bewiesen. Auf „Railer“ beschleicht Hörer das Gefühl, dass das Album unter Druck aufgenommen wurde. Als hätte die Band genau so klingen müssen, egal, ob es zu ihr oder ihren Geschichten passt.

„Railer“ wird sich wohl den Baukasten-Vorwurf gefallen lassen müssen. Die Songs folgen einem klaren Muster, das sich wie von „Stealing Light“ zu „Parable“ gern und schnell wiederholt. Die Gitarren laufen mit den Drums um die Wette, während Cape oftmals mit voller Stimme, aber mit wenigen Gefühlen ausgestattet antritt, um ein paar eingängige Hymnen aus dem Ärmel zu schütteln. Dass „Railer“ mehr sein könnte, lässt ein „Parable“ erahnen. Ansonsten lässt „Railer“ eine gewisse Ohnmacht durchsickern, wenn weder das Gebrüll eines „Dangerous Animal“ wütend noch das Anprangern in „Bubble“ überzeugt klingt. Über den „Railer“-Geschichten scheint trotz all der instrumentalen Power ein großes Fragezeichen zu lauern.

Für kurzzeitige Rockausbrüche im Jugendheim sind Lagwagon weiterhin eine gute Wahl. Nach routinierten Punk-Arrangements wie „Dark Matter“ sehnen sich Punk-Jünger in aller Regelmäßigkeit. Dass sie sich aber dabei erwischen, dass sie den Song unkontrolliert aus voller Seele mitsingen wollen, passiert auf „Railer“ zu selten. „The Suffering“, „Parable“ und „Pray For Them“ sind Ausnahmen, die zeigen, warum Lagwagon überhaupt Punk und nicht einfach Mainstream-Rock spielen. Das lässt sich auf dem neuen Album leicht vergessen, wenn Joey Cape und seine Mitstreiter Punk nach Vorschrift spielen. Viel weniger Punk kann ein Ansatz gar nicht sein.

Anspieltipps:

  • The Suffering
  • Parable
  • Pray For Them

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