Kaiser Quartett - Kaiser Quartett - Cover
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Kaiser Quartett Kaiser Quartett


  • Label: PIAS/Rough Trade
  • Laufzeit: 45 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
8/10 Leserwertung Stimme ab!

Das Kaiser Quartett überrascht im Spätsommer mit einem erlesenen Soundtrack für Tage jeder Jahreszeit.

Der Pfad zwischen Pop und klassischer Musik ohne Worte ist eine Nische, die sich nicht leicht besetzen lässt. Ohne die Fähigkeiten eines Hans Zimmer in ihrer Komplexität anzuzweifeln, liegt Zimmers Stärke für viele gerade darin, dass er Filmmusik oft auf griffige Motive zu reduzieren versteht, die die Hörer packen. Diese Qualität lässt sich auch beim Kaiser Quartett aus Hamburg erkennen. Das Kaiser Quartett wird mit seinem eingängigen Kammerspiel wahrscheinlich niemanden abholen, der mit klassischer Musik und Filmmusik ohne Film nur wenig anfangen kann. Alle anderen dürfen sich auf ein kleines, energiegeladenes Feuerwerk freuen, das auch ohne Worte die Pop-Einfachheit einfängt.

Nach einer solch vollmundigen Ankündigung ist der Druck auf das Kaiser Quartett vielleicht zu hoch, wenn Hörer das Album wie jeder normale Mensch chronologisch angehen. Der Auftakt mit „Pfingsten“ und „Chase“ ist aus der Schublade der nett anzuhörenden Lieder. Das ist Musik, die sich hervorragend im Hintergrund macht, während der Hörer sich auf etwas Anderes konzentriert. Der Wendepunkt dieses Eindrucks tritt mit „Grossraumdisko“ früh genug ein, um den starken Eindruck dieses Albums aufrecht zu erhalten. „Grossraumdisko“ ist ein dem Namen vollends gerecht werdendes Kammerstück, zu dem sich die Luftvioline spielen lässt. Ohne Worte, aber mit einer astreinen Melodie und Kraft vorgetragen, zeigt das Quartett, wie Pop ohne Worte und Elektronik funktionieren kann.

Im Anschluss zeigt sich die Band wie entfesselt und gibt in „Etüde“ und „Schramm“ eigenständige Melodiebögen vor, die sich im Kopf um allerhand Gesang und Einlagen erweitern lassen. Statt einer Sehnsucht nach mehr zeigt sich Hörern, wie sie ihre Kreativität selbst mit einbringen können. Dass tatsächliche Umsetzungen dieser Ideen nicht alle überzeugen können, zeigt das HipHop-Crossover-Experiment in der zweiten Fassung von „Skate“ zum Abschluss des Albums. In der ursprünglichen Variante lässt sich dagegen schwelgen und Hörer dürfen fabulieren, wie sie diese Lieder noch erweitern könnten.

Aber auch ohne diese Spielereien ist „Kaiser Quartett“ ein wunderbares Album, das unentwegt fesselnde Lieder wie „Freitag“ und „Stresstest“ auf seine Hörer loslässt. Von „Grossraumdisko“ an entfacht das Kaiser Quartett eine Begeisterung, die gewillte Hörer jederzeit zu überzeugen vermag. Wie die Gruppe ohne Schnickschnack einen Stil aufrechterhält, der sich auch von ungeübten Ohren wiedererkennen lässt und so die nötige Portion Pop abfeuert, ist bemerkenswert und gehört belohnt.

Anspieltipps:

  • Grossraumdisko
  • Etüde
  • Freitag

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