Flying Colors - Third Degree  - Cover
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Flying Colors Third Degree


  • Label: Mascot Records
  • Laufzeit: 66 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
8.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Bei den Flying Colors geht es nicht nur um Griffbrettakrobatik und die schnellsten Drum-Fills. Hier stehen die Songs im Vordergrund.

In Zeiten in denen selbst gestandene Musikerpersönlichkeiten wie Mike Portnoy oder Neil Morse in mehreren Bands unterwegs sind, wirken die Flying Colors wie eine von vielen, leider auch oftmals austauschbaren, musikalischen Projekten. Glücklicherweise legt das Quintett ihren Fokus deutlich mehr auf ihre Songs, als auf ihr musikalisches Können. Andere Vertreter aus dem progressiven Bereich verkommen leider viel zu oft zu einer Art Wettbewerb mit Showcase-Charakter. Das mittlerweile jeder auf Instagram oder Facebook zeigen kann wie schnell er Gitarre spielen kann, schmälert eine solchen Effekt, denn es gibt immer jemanden der besser und/oder schneller ist.

Trotzdem sind die Flying Colors eine waschechte Progressive-Supergroup. Mit Portnoy am Schlagzeug und Neil Morse an den Keyboards sind schon mal zwei Szeneveteranen mit an Bord. Zu ihnen gesellen sich Deep Purple-Gitarrist Steve Morse, Sänger Casey McPherson (Alpha Rev, The Sea Within) und Bassist Dave La Rue (u.a. Dixie Dregs). Im Vordergrund stehen allerdings Melodien und Songwriting-Aspekte. Dies spiegelt sich schon im hervorragenden Opener „The Loss Inside“ wieder, der gekonnt progressive Elemente mit bluesrockigen Anleihen vereint. Hier treffen Deep Purple (man beachte Neil Morse‘ Keyboardssolo) auf Pain Of Salvation. „More“ fügt dem ganzen noch eine Prise Pathos hinzu und erinnert so an Muse zu ihren besten Zeiten. „Guardian“ fusioniert instrumentale Virtuosität und poppige Melodien und rückt mit dem mehrstimmigen Gesang von McPherson, Portnoy und Neil Morse ein weiteres Markenzeichen der Kapelle in den Vordergrund.

„Geronimo“ kommt jazzig und mit dem Groove der Red Hot Chili Peppers daher, während die waschechte Ballade „You Are Not Alone“ roh und einfach mit Akustikgitarre und Klavier beginnt. Im poppigen, Beach Boys, Beatles und Foreigner vermischenden „Love Letter“ übertreiben es die Herren dann etwas mit ihren Chören und der Song wird schnell nervig. Das über zehn Minuten lange „Crawl“ beendet das Album mit einer kühlen, pathetische-aufgeladenen Atmosphäre auf der einen Seite und Alternative-Rock-Riffs auf der anderen. Hier passt McPhersons manchmal an Chris Cornell erinnernde Stimme bestens. Der Song bietet einen versöhnlichen Abschluss für die schwächere zweite Hälfte der Platten. Man kann den Flying Colors nicht vorwerfen, dass ihnen die Ideen ausgehen. Was man ihnen vorwerfen kann ist, dass sie diese in den hinteren Songs nicht mehr so gut umgesetzt haben wie zu Beginn ihres dritten Albums.

Anspieltipps:

  • The Loss Inside
  • Guardian
  • Crawl

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