Simply Red - Blue Eyed Soul - Cover
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Simply Red Blue Eyed Soul


  • Label: BMG Rights Management
  • Laufzeit: 34 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Simply Red reisen in eine Funk-Vergangenheit, um sich neu zu erfinden. Der Schritt zurück lässt Hörer verdutzt zurück, ohne Schritte nach vorn erkennen zu lassen.

Der Blick auf die visuelle Albumgestaltung lässt Simply-Red-Fans bereits stutzig werden. Das Album sieht aus, als wären Simply Red nicht zurück, sondern stattdessen in eine ferne Vergangenheit zurückgekehrt. Die Siebziger triefen nicht auch aus den Boxen, wenn „Thinking Of You“ das Album mit Bläsern eröffnet, die einen aufdringlich cool gemeinten Gesang begleiten, als würde jemand heute mit Schlaghosen durch San Francisco stiefeln, um vermeintlich einen modernen Eindruck machen zu wollen.

Mit „Ring That Bell“, „BadBootz“, „Riding On A Train“ und mit Abzügen auch „Don’t Do Down“ bewegen sich Simply Red auf einem Terrain, das eher Schamesröte als schmachtende Rufe hervorruft. Das ist der rutschige Pathos, der Simply Red bereits das letzte Jahrzehnt erschwert hat. Wenn wie in der Abschlussballade „Tonight“ eine Frauenstimme aus dem Off ins Mikrofon haucht, drohen sich die Nackenhaare aufzustellen. Wo Simply Red schon in der Vergangenheit gerne zu dick auftrugen, wenn es um Romantik ging, passiert dies auf „Blue Eyed Soul“ häufig, wenn die Band anscheinend cool zu klingen versucht.

Letztlich stehen sich Simply Red selbst im Weg, denn das Talent für romantische und pathetische Songs ist nicht vollends abhandengekommen. Wenn die Band sich nicht einem Stil und seinen Konventionen unterwirft, sondern säuselt und schwärmt, entsteht dieser hypnotische Klang, der aus vermeintlichem Kitsch Dauerbrenner machen kann. Auf „Blue Eyed Soul“ deuten „Sweet Child“ und „Complete Love“ diese Qualitäten zumindest an und laden Hörer ein, sich zu verlieren.

Der wahrscheinlich aufregendste Track ist dagegen „Chula“, da Simply Red hier einen Zugang zum Funk zu finden scheinen, der nach Simply Red klingt und nicht einer bloßen Stil-Anbiederung. Hier stakst die Band vorm geistigen Auge mit Dauerwelle durchs Bild, zwinkert dabei wissend in die Kamera und lädt ein, den Spaß auszukosten. Diese Leichtigkeit geht dem neuen Album allerdings zu oft ab, als dass der Schritt sich mit Qualität rechtfertigen lässt. Vielleicht hatte die Band mehr Freude daran, diese Lieder einzuspielen, als Hörer mit ihnen wahrscheinlich haben werden.

Anspieltipps:

  • Sweet Child
  • Complete Love
  • Chula

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