Lyambiko - Berlin - New York - Cover
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Lyambiko Berlin - New York


  • Label: Okeh!/Sony Music
  • Laufzeit: 43 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
7.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Lyambiko ist zu gut, um schlecht zu sein. Dieses Prädikat bleibt für eine Künstlerin bestehen, die nicht Superstar sein muss, um zu wissen, was sie tut.

Seit über 15 Jahren ist Lyambiko ein makelloser Name im deutschen Jazz-Geschäft. Zum Weltruhm hat es vielleicht nicht gereicht, doch allein für ihre fehlerfreie Karriere verdient die Thüringerin Respekt. Auch wenn sich Ausnahme-Momente rarmachen, ist bei Lyambiko etwas Normalität, das gerade deutsche Jazz-Musiker selten erreichen. Lyambiko klingt nach einer Jazz-Musikerin und nicht nach jemandem, der gerne Jazz-Musik machen würde. Wenn sie in „After The Rain“ und „Bei Dir War Es Immer So Schön“ butterweich mit den Instrumenten eins wird, dann beweist die Sängerin, dass Jazz ihr Genre ist.

„Berlin - New York“ kämpft wie fast jedes Lyambiko-Album mit etwas zu glatten Nummern, die der gesanglichen Leistung nicht die nötige Tiefe zur Entfaltung anbieten. Selbst ohne nachdenkliche und ergreifende Momente vergeht die Dreiviertelstunde auf dem Album wie im Flug. Lyambiko präsentiert ihre leichte Kost herrlich leichtfüßig und auch sommerlich, wenn sie gerne mal zum Bossa Nova greift (z.B. in „Sommer, See und Sonnenschein“ und „Der Wind Hat Mir Ein Lied Erzählt“).

Spannend wird es, wenn „It’s Oh So Quiet“ mit Pscht-Geräuschen und einer großen Bandbreite alle Register zieht und Lyambiko sich dazu zwingt, ihr Potenzial auszureizen. Mit fast schon quietschender Stimme kann die Musikerin wohl nicht jedem gefallen, doch an genau diese aufrührerischen Momente können Hörer sich später erinnern. Für genau diese Momente kehren Hörer zurück, statt sich eher zufällig im angenehm zurückhaltenden Klang der Lyambiko zu verlieren.

Vielleicht braucht die Musik der begabten Musikerin wieder weniger Perfektion und dafür mehr von ihren Eigenheiten. Nach einer solch langen und erfolgreichen Karriere sollte Lyambiko zumindest von Hörerseiten einen Freifahrtschein erhalten, um interessante Fehler machen zu dürfen. Dann bietet sich dieser Jazz vielleicht nicht nur zum friedlichen Wiegen, sondern zum sehnsuchtsvollen Schwelgen an.

Anspieltipps:

  • It’s Oh So Quiet
  • After The Rain
  • Der Wind Hat Mir Ein Lied Erzählt

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