Editors - Black Gold - Cover
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Editors Black Gold


  • Label: PIAS/Rough Trade
  • Laufzeit: 104 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Knapp 15 Jahre später hat die Musik der Editors, die einst Hoffnungsträger des traurigen Rocks war, an Nachhall verloren.

Ein Jahr hätten die Editors ruhig warten können, um aus „Black Gold: Best Of Editors“ ein rundes Jubiläumsalbum zu machen. Furcht davor, dass sich im neuen Jahr niemand mehr an die Band aus Birmingham erinnert, muss niemand haben. Dafür waren Alben wie „The Back Room“ zu groß in ihrer Nische. Die Editors waren eine traurige Stimme für die Jugend der 90er Jahrgänge, die in den Jahrzehnten davor von Joy Division und Depeche Mode beglückt wurden.

Was auf „The Back Room“ noch eine eigenständige Note ausstrahlte, sodass ein „Munich“ sich einer gewissen Zeitlosigkeit erfreut, wurde im Laufe der Jahre ein großes Schaulaufen des Tom Smith, der seine Helden nachzuahmen schien. Mit dem zweifelhaften Schritt ein Best Of mit einer neuen Single zu eröffnen, erinnert der Editors-Frontmann seine Hörerschaft daran, dass die Editors scheinbar lieber folgen, statt einem eigenen Pfad zu folgen. In „Frankenstein“ klingt vieles danach, als hätte die Band David Bowie kopieren wollen.

Dass die neueren Editors-Alben bei aller Qualität mit der Zeit Erinnerungen an Bands von einst glichen, ist ein Umstand, der wohl zum langsamen Vergessen der Band beigetragen hat. Eine Band, die damals eben keine „Referenzstempel“ brauchte und auch auf „An End Has A Start“ nach einer Rockband des neuen Jahrtausends klang, schien eine Quasi-Coverband geworden. In Liedern wie „Papillon“ oder dem neuen „Upside Down“ klingen die Editors seit zehn Jahren oft nach einer Event-Band, die nach modernem New-Wave-Stadion-Rock klingen will und nicht einfach die Songs spielt, die ihr auf der Künstler-Seele liegen.

Ein strenger aber ehrlicher Blick auf die Geschichte der Editors ist, dass das Versprechen von „The Back Room“ und „An End Has A Start“ nie vollends eingelöst wurde. Die Editors entwickelten sich weiter weg von sich selbst und haben immer seltener ihre Seele transportieren können. Ein „Ocean Of Night“ schaut mit viel mehr Pop klar in die Richtung, die beispielsweise „Bullets“ vorgab. Dagegen wirkt ein „No Harm“ blutleer und wer fair ist, findet die ersten Schwächeerscheinungen sogar auf „An End Has A Start“ mit „The Racing Rats“.

Die Akustik-Versionen sind definitiv eine schöne Dreingabe für alle Fans von Tom Smiths Stimme. Die eher an Kammermusik orientierten Stücke sind äußerst sauber präsentiert und geben der Stimme die volle Aufmerksamkeit. Diese Lieder verfestigen aber auch den Eindruck, dass die Editors beinahe von Beginn an Rollen spielen wollten. Viele der Lieder wirken wie Theater, das nachahmt ohne eigene Vorlieben einfließen zu lassen.

Das Best Of der Editors lässt Hörer mit der Frage zurück, welche dieser Lieder die Band wirklich selbst in diese Welt katapultieren wollte. Das „Munich“, das „Smokers Outside The Hospital Doors“, die Lieder, die eine Band widerspiegeln, die den Mut hat, sie selbst zu sein. „Black Gold“ lässt Hörer mit dem Beigeschmack zurück, dass eine Band sich dabei begleiten lässt, wie sie nicht mehr sie selbst sein wollte. Dieser Eindruck bleibt bittersüß, weil die Editors definitiv das Zeug dazu hätten, als sie selbst erfolgreich zu sein und sich nicht Helden und Trends aufzuzwingen.

Anspieltipps:

  • Munich
  • Smokers Outside The Hospital Doors
  • Bullets

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