The Who - WHO - Cover
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The Who WHO


  • Label: Polydor/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 46 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
8/10 Leserwertung Stimme ab!

Hope I die before I get old - oder auch nicht. Pete Townshend und Roger Daltrey lassen die Sau mit Mitte 70 noch einmal fliegen.

Mit „Endless Wire“ (10/2006) veröffentlichten The Who zuletzt vor 13 Jahren ein neues Studioalbum, das im Prinzip kaum jemand wirklich gebraucht hat. Ihre besten Zeiten hatten The Who nun mal in den 60er und 70er Jahren. Danach war aus kreativer Sicht Schicht im Schacht, denn schon die letzten beiden Werke in den 80er Jahren hätten sich die Briten besser gespart. Da aber sowohl Pete Townshend (74, Gitarre) als auch Roger Daltrey (75, Gesang) bis heute nicht so richtig loslassen konnten, halten sie ihre Karrieren auch im hohen Rockstaralter am köcheln und legen nun tatsächlich ein gemeinsames neues Album unter dem Banner „The Who“ vor.

Mehr als 100 Millionen Tonträger gingen bis heute von The Who über die Ladentheken. Ein paar Tausend werden nun sicher dazukommen. Denn auch wenn Pete Townshend auch Roger Daltrey inzwischen alte Männer sind, ist die Rockwelt gespannt darauf, was die beiden Legenden zusammen mit Zack Starkey (Drums) und Pino Palladino (Bass) sowie Benmont Tench (Orgel), Joey Waronker (Drums), Gordon Giltrap (Gitarre) und Carla Azar (Drums) auf die Kette gebracht haben. Dazu stellt Pete Townshend klar, dass das schlicht „WHO“ betitelte Werk (zum Glück!) kein ausuferndes Konzeptalbum á la „Tommy“ ist, sondern einfach nur eine Sammlung neuer Songs, die bis auf zwei Ausnahmen im vergangenen Jahr entstanden. Das verspricht knackigen Rock’n’Roll – oder zumindest das, was im Alter von Mitte 70 noch leistbar ist.

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Das Album wurde von Dave Sardy (Oasis, Noel Gallagher’s High Flying Birds, Gorillaz, Supergrass, The Verve, Marilyn Manson) und Dave Eringa (Manic Street Preachers, Kylie Minogue, Ocean Colour Scene, Idlewild) co-produziert und zwischen März und August 2019 in London und Los Angeles eingespielt und sorgt schon mit den ersten Klängen des Opener „All this music must fade“ für das wohlige Gefühl beim Hörer, das nur Bands auslösen, die einen untrennbaren und unverkennbaren Sound aufweisen. Dazu gehört bei The Who das markante Riffing von Pete Townshend und die aufgeregt heisere Stimme von Roger Daltrey. Doch auch die verstorbenen Keith Moon (Drums) und John Entwistle (Bass) sollen hier nicht vergessen werden. Ihr Spiel war ebenso hervorstechend und wird nun hauptsächlich von Zack Starkey und Pino Palladino am Leben erhalten.

Leider können The Who den großartigen Auftakt von „WHO“ nicht über die gesamte Albumlänge retten. Der Qualität der Songs geht Stück für Stück die Luft aus, sodass am Ende eine starke A-Seite und eine dann doch deutlich abfallende B-Seite stehen. Dabei ist es sicher kein Trost, dass es auch schlimmer hätte kommen können. So geht „WHO“ für ein Alterswerk durchaus in Ordnung und The Who zeigen noch einmal, dass sie die gesamte Klaviatur beherrschen. Ob krachende Rockmusik („All this music must fade“), breitwandige Hymnen („Beads on one string“), großes Orchester-Kino („Hero ground zero“), Balladen mit schwülstigen Streichern und Stevie-Wonder-Mundharmonika („I’ll be back“), von Folk angehauchte Stücke („Break the news“) und bombastischer Rock („Rockin‘ in rage“) – Daltrey und Townshend sagen mit Anstand auf Wiedersehen und lassen ein letztes Mal das Mikrophonkabel kreisen und die Windmühle über die Gitarre schrubben.

Anspieltipps:

  • Detour
  • Rockin‘ in rage
  • Beads on one string
  • I don’t wanna get wise
  • All this music must fade
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