Silbermond - Schritte - Cover
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Silbermond Schritte


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 35 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
4.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Gutbürgerliche Songschreiberkunst, die nicht mehr so stark im Betroffenheits-Pop vorheriger Alben schwelgt.

Holla! Silbermond melden sich vier Jahre nach ihrem „Leichtes Gepäck“-Album (11/2015) mit einer neuen Songsammlung zurück und die Gerüchteküche dichtet dem künstlerisch und kommerziell erfolgreichsten Exportschlager Bautzens trotzdem eine baldige Auflösung an. Haben sechs Studioalben und diverse Tourneen in 15 Jahren tatsächlich so heftige Spuren hinterlassen, dass Silbermond den Stecker ziehen müssen, oder ist „Schritte“ einfach nur eine logische Fortsetzung eines Reifeprozesses, der vieles hinterfragt, Prioritäten anders setzt und im besten Fall echte Botschaften zu vermitteln hat?

Um dies herauszufinden, bieten Silbermond dem Hörer zehn Songs bei einer Spielzeit von lediglich 35 Minuten an. Produziert und aufgenommen wurden diese von Alexander Freund, Moritz Enders und Thomas Stolle in Rotenburg an der Fulda sowie im französischen Saint-Rémy-de-Provence, ohne dass dabei irgendwelche Experimente aufs Band kamen. So holt „Schritte“ den Hörer sofort ab und setzt schon mit dem Titelsong den retrospektiven Vibe von „B96“ des Vorgängeralbums fort. Schnell stellt sich heraus, dass Silbermond nach wie vor dazu in der Lage sind, ihre Themen in eingängige Songs zu verpacken („Was Freiheit ist“), die mal ernster („In meiner Erinnerung“) und mal augenzwinkernder ausfallen („Träum ja nur (Hippies)“).

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Zwar sind nicht alle Titel auf bleichbleibend gutem Niveau („Luftschloss“ ist klassisches Füllmaterial), aber auch nie so schlecht, dass sich der Hörer belästigt fühlen könnte. So liefern Silbermond auf der Basis akustischer Instrumente soliden Deutsch-Pop ab, der für das Alter der Bandmitglieder fast schon erschreckend erwachsen klingt, aber dafür nicht mehr so stark im Betroffenheits-Pop vorheriger Alben schwelgt. Klischees lässt das Quartett deshalb zwar nicht aus („Silbermond“) und kritisch betrachtet fehlt der Band vielleicht sogar ein bisschen mehr künstlerischer Mut, doch es hätte auch viel schlimmer kommen können.

Am Ende nehmen Silbermond ihren Fans in „Ein schöner Schluss“ die Angst vor einem baldigen Ende der Band, die tatsächlich kurz auf der Kippe stand, sich aber wieder zusammengerauft und in kreativen Dingen geeinigt hat. Die Folge ist ein unerwartet kompaktes Werk, das dadurch keinerlei Längen aufweist und trotzdem genügend Fleisch am Knochen hat, um den Hörer für sich zu gewinnen, sofern dieser auf gutbürgerliche Songschreiberkunst steht. Fazit: Zehn „Schritte“ in die richtige Richtung.

Anspieltipps:

  • Schritte
  • Für Amy
  • Was Freiheit ist
  • In meiner Erinnerung
  • Träum ja nur (Hippies)
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