Nick Cave - Ghosteen - Cover
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Nick Cave Ghosteen


  • Label: Bad Seed Ltd./Rough Trade
  • Laufzeit: 68 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
8.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Scheiß neue Sitten! Endlich ist sie da, die physische Veröffentlichung des neuen Nick-Cave-Albums.

„Ghosteen“ ist das inzwischen 17. Album von Nick Cave und den Bad Seeds und im Prinzip bereits seit mehr als vier Wochen auf dem Markt. Zumindest in digitaler Form. Die physischen Formate (CD, Vinyl) werden erst jetzt hinterhergeschoben, was angesichts der Kern-Hörerschaft des gebürtigen Australiers etwas merkwürdig anmutet, da diese wohl eher nicht zu den hippen Youngstars zählt, denen Musik „zum Hören, Riechen Anfassen und Fühlen“ gänzlich fremd ist. Wie so was geht? Tja, Freunde der Sonne, es geht doch nichts über ein großformatiges Cover, ein nach Farbe duftendes Booklet, den warmen Klang von Vinyl und das Zusammenspiel aller Sinne, wenn es sich um das Erlebnis „Musik“ dreht. Mit einem scheiß Stream oder Download bekommt ihr so ein Ereignis ganz bestimmt nicht geboten.

„Ghosteen“, das in der physischen Variante als Doppelalbum erscheint, wurde Ende 2018, Anfang 2019 in Los Angeles, Malibu, Berlin und Brighton von Nick Cave (Gesang, Piano), Warren Ellis (Synthesizer, Violine), George Vjestica (Gitarre), Jim Sclavunos (Perkussion), Martyn Casey (Bass) und Thomas Wydler (Drums) eingespielt. Es ist der Nachfolger von „Skeleton Tree“ (09/2016), das erst nach einer Unterbrechung, die dem tragischen Tod von Nick Caves 15-jährigem Sohn Arthur im Juli 2015 geschuldet war, fertig aufgenommen werden konnte. Da die meisten Songs für „Skeleton Tree“ schon vor dem Tod Arthur Caves‘ geschrieben waren, stellt „Ghosteen“ nun die vollständige Aufarbeitung dieses Unglücks und das Finale einer Trilogie dar.

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Im Zentrum der Kompositionen steht eine Mischung aus elektronischen Synthesizer- und getragenen Pianoklängen, über denen die Stimme Nick Caves thront, die allerdings keinesfalls düster klingt, wie es vielleicht zu erwarten war, sondern Zuversicht und Lebensmut verströmen, auch wenn es Nick Cave nicht immer leichtfällt („Night raid“). Dazu gesellen sich dezente Streicher sowie Jim Sclavunos‘ geheimnisvolles Vibraphon in das stets sehr erhabene Klangbild, aus dem mit dem Titeltrack und „Hollywood“ zwei Stücke herausstechen, die jeweils weit über den 10-Minuten-Marke liegen.

Wenn Nick Cave mehr als eine Stunde über das Leben und den Tod referiert, kann der Hörer nur ergriffen innehalten und versuchen, ihm und seinen Gedanken zu folgen. Diese werden trotz der tragischen Grundlage ohne jegliche Aggression vorgetragen. Nick Cave baut vielmehr auf die heilsame Wirkung sakraler, fast schon geisterhaft wirkender Klänge, die Trost spenden sollen, aber bis zum Ziel so manche Apokalypse überwinden müssen. Danach wartet sowohl auf Nicke Cave als auch auf den Hörer eine innere Befreiung, die hoffentlich für immer anhält.

Anspieltipps:

  • Fireflies
  • Ghosteen
  • Sun forest
  • Spinning song
  • Waiting for you
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