Lily Kershaw - Arcadia  - Cover
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Lily Kershaw Arcadia


  • Label: Nettwerk Records
  • Laufzeit: 36 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Lily Kershaw scheint auf „Arcadia“ zu beschäftigt damit, den Zeitgeist nachzuahmen, statt ihn zu treffen oder ihm sogar den eigenen Stempel aufzudrücken.

Stellen wir uns eine Werbung für ein Produkt vor, dass wir wahrscheinlich nicht brauchen. Um das Produkt emotional zu vermarkten, sehen wir Gesichter, die glücklich, erleichtert oder ekstatisch wirken. Im Hintergrund spielt Musik, die den Ton treffen soll und eine Brücke schlägt. Da nicht jede Werbeagentur ein unendliches Budget bekommt, kommt die Musik nicht immer von den großen Stars, sondern auch von kleineren Musikern. Das kann zu Überraschungen führen, die zu Erfolgsgeschichten werden. Lily Kershaws Musik auf „Arcadia“ wirkt dagegen mehr wie die Musik, die an bekanntere Acts erinnert, ohne die Spannung der Originale aufrecht zu erhalten.

„Arcadia“ gibt sich als ein gefühlvolles und introvertiertes Pop-Album, nur dass diese Qualitäten sich nicht erfühlen lassen. Kershaw singt zurückhaltend sauber, schafft es dabei aber nicht zu vermitteln, warum sie die Lieder singt, die auf dem Album gelandet sind. Dass viele Songs wie aus dem Handbuch klingen, ist nicht das Problem von „Arcadia“. Es gibt gute Formeln für Pop-Songs, die bei präziser Umsetzung nahezu immer funktionieren. Aber Lily Kershaw lässt ihre Hörer nicht wissen, wann sie leidet und wann sie sich freut. Das Problem ist, dass es dem Hörer dabei wahrscheinlich selbst schwerfällt zu wissen, was er bei dieser Musik fühlen soll.

In „Parallel Lives“ lässt sich die emotionale Unvollständigkeit des Albums gut zusammenfassen. Der aufgesetzte Retro-Charakter durch vermeintliche Kassetten-Aufnahmen führt zu einer abgepolsterten Explosion, die den Song aufbegehren lassen soll, während Lily Kershaw die Stimmung nicht anpasst. Statt mit dem klaren Sound und Chören der Intorvertiertheit des Auftakts die Stirn zu bieten, kehrt das Lied unbeholfen und ohne Fluss zurück zur Struktur der ersten Strophe und setzt den Kassetten-Effekt erneut ein.

Noch viele Male lässt sich hören, dass die Songs auf „Arcadia“ vermeintlich in eine Richtung gehen sollten, um sich am Ende lediglich im Kreis zu drehen. Ob es die fehlende Botschaft oder der ausbleibende Mut zu kräftigeren oder auch verletzlicheren Tönen ist, bleibt unklar. Stattdessen lauschen Hörer einer Stimme, die einem Menschen zu gehören scheint, der den Mund nie richtig aufmacht. Wenn Kershaw in „Myth Of New York“ hier und da Töne trifft, die aufhorchen lassen, scheint dies eher eine Ausnahme zu sein.

„Arcadia“ tut viel dafür, dass Hörer nicht genau hinhören, sondern sich liebend gerne ablenken lassen. Da ist wieder die Musik, die im Hintergrund verpuffen darf, damit wir uns wieder auf das Produkt im Vordergrund konzentrieren. Wenn das Produkt nun aber das neue Lily-Kershaw-Album ist, könnte diese Kampagne schneller in Vergessenheit geraten, als den involvierten Parteien lieb ist.

Anspieltipps:

  • Myth Of New York
  • Unrequited Night
  • One Night After Breakfast

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