Brother Grimm - On Flatland, On Sand  - Cover
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Brother Grimm On Flatland, On Sand


  • Label: Noisolution/SOULFOOD
  • Laufzeit: 44 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
6.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Das farbenfrohe Cover ist kein Vorbote von Stimmungsveränderungen. Brother Grimm bleibt so nachdenklich wie im Vorjahr und die Melodien werden noch zäher.

Brother Grimm bleibt mit „On Flatland, On Sand“ die Adresse für Freunde schwerfälliger Rockmusik. Mit seinem neuen Album ist Brother Grimm eine Dynamik gelungen, die Hörer in einem Moment festzusetzen scheint. Der wabernde Hintergrund des Openers „The Ocean“ gleicht einem Sekundenzeiger, der sich nicht fortbewegen kann und doch nicht still hält. Ein und dieselbe Sekunde scheint wieder und wieder zu vergehen, sodass Hörer etwas Neues hören, ohne sich von der Stelle zu bewegen. Das klingt verkopft und nach „Gone Tomorrow“ lässt sich festhalten, dass dieses Adjektiv bei Brother Grimm nicht wegzudenken ist.

Mit kalt gespieltem Schrammelrock, der an das dänische Kurzzeitphänomen Joyce Hotel erinnert, bahnt sich Brother Grimm nach dem sphärischen Beginn gewaltsam einen Weg in die Hörerohren, die er weniger mit Gesang als mit Spoken Word malträtiert. In Liedern wie „Broken Glass“ klingt es mehr danach, als würde Brother Grimm die Hörer anklagen, überhaupt zuzuhören. Enttäuschung und Wut dringen in den Arrangements, die sich mit einer Beobachtungsgabe mischen, bis der Hörer zum Erzähler wird und die Welt durch die Erzählungen des Mueikers betrachtet.

In geradlinigen Stücken wie „The Smell Of Cheap Perfume“ kommt dieser Ansatz einer Holzhammermethode gleich, doch sobald Brother Grimm Art- und Prog-Rock die Tür öffnet, ergeben sich faszinierende, wenn auch nicht immer einladende Klangwelten. „Broken Glass“ wirkt mit seinen stilistischen Wechseln und eingängigen Leerlauf voller Leben wie eine Welt für sich selbst, die Hörer nach Lust und Laune erkunden dürfen. Brother Grimm hält Hörer auch in diesem abwechslungsreichen in einer Stimmung gefangen, die weder vor noch zurückzugehen scheint. Stattdessen lässt sich ein musikalischer Moment mal aus mehreren, mal aus leidgilich einer akustischen Perspektive belauschen.

Über die Qualität dieser Moment lässt sich trefflich streiten, da der Schrammelrock eines „Who’s Calling“ eine komplett andere Wirkung als der dem Opener ähnliche Titeltrack erzeugt. Auch dass Brother Grimm während der letzten 13 Minuten des Albums auf Worte nahezu komplett verzichtet, verzerrt die Erwartungen, die beispielsweise das knapp achtminütige „Open Doors, No Stars“ erzeugt hat. Keine knarzenden Gitarren mehr und auch der angestrengte und emotonale Gesang fehlt als Element.

Interessanterweise scheint die Zeit gerade mit den abschließenden Liedern ohne Worte wieder zu fließen. Das Ergebnis ist jedoch ein Fluss, der ziellos an uns vorbeirauscht. Das hat eine beruhigende Wirkung, nimmt dem Album aber die Spannung der Frage, wo die eingefrorenen Momente auf „On Flatland, On Sand“ die Hörer eines Tages führen könnten. Mit der Aussicht, dass nach dem Moment voller Inhalte ein ewig anhaltender, unveränderlicher Fluss wartet, raubt dem Album die Faszination, die der vorher mysteriös gehaltene Aufbau versprochen hat.

Anspieltipps:

  • Broken Glass
  • The Ocean
  • Get Up

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