Anna Of The North - Dream Girl - Cover
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Anna Of The North Dream Girl


  • Label: PIAS/Rough Trade
  • Laufzeit: 42 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Anna Of The North mimt das Mädchen von nebenan, während die Welt damit beschäftigt ist, Taylor Swift zu Füßen zu liegen.

Selbst wenn gemeine Pop-Fans sich nicht in der Taylor Swift-Ecke sehen, ist das handwerkliche Talent der amerikanischen Musikerin auf „Lover“ nicht abzustreiten. Dass dies der einleitende Satz des neuen Albums von Anna Of The North ist, veranschaulicht die Dramatik, die Terminkalender an sich haben können. Das Ende August erschienene Album wirft einen langen Schatten, der den vom R&B inspirierten Pop junger Sängerinnen wie von Anna Of The North auf die Probe stellt. Selbst die unscheinbareren Swift-Nummern wie „Afterglow“ und „I Think He Knows“ fokussieren den Kern eingängiger Popmusik der letzten Jahre so zielsicher, dass die Musik anderer Künstler schnell erblasst. Zu diesen Künstlern wird sich Anna Of The North zählen lassen müssen.

„Dream Girl“ ist ein durch und durch ordentliches Album, das sich in diesem Jahr durch sein Understatement selbst ein Bein stellt. Lieder wie der Titeltrack sind sanft gehauchte Romantik-Nummern, die den großen Gefühlen den Vorrang lassen. Während Hörer bei der Konkurrenz schmachten, leiden und wüten dürfen, scheint Anna Of The North aus Norwegen lieber auf den Treppenstufen vorm Haus sitzen zu bleiben und sich in verträumter Ungewissheit zu verlieren. Die Musik auf „Dream Girl“ hat sich mit modernen Pop-Elementen für die große Party passend eingeleidet, scheint aber nicht mitfeiern zu wollen. Sein eigenes Ding macht diese Musik jedoch auch nicht und so sitzen gefällige Melodien wie „Leaning On Myself“ kraftlos zwischen den Stühlen.

Wenn Anna Of The North Lieder mit hallenden „Shalalala“-Gesängen eröffnet und sich auf Synthesizer aus den 80ern und 90ern stützt, klingen die Gefühle auf „Dream Girl“ zurückhaltend und im schlimmsten Fall gekünstelt. Im besten Fall lässt sich in den Traum-Arrangements vergessen, dass die Gefühle selten zünden. Dafür bräuchte das Album jedoch mehr Mut, auch mal mit schrägen Tönen und bestimmteren Klängen zu arbeiten, was Anna Of The North in „What We Do“ gut gelingt.

Stattdessen lässt sich das Album von gehauchtem Gesang und harmlosen Klanglandschaften leiten, die eine Naivität ausstrahlen, die nicht viel Substanz auszustrahlen vermag. Geschichten wie in „When R U Coming Home“ haben Pop-Fans unzählige Male gehört. Wenn für die dazu spielende Musik das Gleiche gilt, fällt das Lob für ein solches Album schwer.Anna Of The North gibt ihren Hörern zwar keinen Grund aktiv wegzuhören, doch das viel größere Problem wird sein, die Hörer überhaupt zum Zuhören zu bewegen.

Anspieltipps:

  • What We Do
  • Leaning On Myself
  • Dream Girl

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