Coldplay - Everyday Life  - Cover
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Coldplay Everyday Life


  • Label: Parlophone/WEA
  • Laufzeit: 53 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
7.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Wenn Coldplay in einem Atemzug mit Radiohead genannt werden und nicht mehr wie David Guetta klingen, hat sich mächtig was getan. Gott sei Dank!

Mit „Everyday Life“ veröffentlichen Coldplay ihren mittlerweile achten Studio-Longplayer und den Nachfolger von „A Head Full Of Dreams“ (12/2015), mit dem das in Coldplay-Verhältnissen als kommerzieller Flop zu bezeichnende Liebeskummerwerk „Ghost Stories“ (05/2014) weitgehend aus dem Gedächtnis der Hörer ausgelöscht werden konnte. Der Preis für die wiedergefundene gute Laune bestand allerdings aus klebrigen Liedchen, die weniger auf die tollen Melodien früher Alben wie „A Rush Of Blood To The Head“ (08/2002) setzten, dafür aber zum gepflegten Rumhoppeln auf dem Dancefloor einluden.

„Everyday Life“ ist laut Angaben ein Doppelalbum, das aber eigentlich keins ist. Es passt auf eine CD, kommt auf eine Spielzeit von 53 Minuten und unterteilt sich lediglich thematisch in eine „Sunset“- und eine „Sunrise“-Hälfte. Das Cover – basierend auf einer Aufnahme von Jonny Bucklands (Gitarre) Urgroßvater aus dem Jahr 1919 – ist im Vergleich zu „A Head Full Of Dreams“ relativ düster gehalten und soll dem Werk eine geheimnisvolle Aura verleihen. Die Promo-Maschinerie im Vorfeld der Veröffentlichung setzte ebenfalls auf solche Gimmicks. Daran erkennt man: Hier kommt eines der letzten großen Themen des Musikjahres 2019. Bitte kauft es!

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Wer das Signal des Covers nicht verstanden haben sollte, dem wird spätestens nach den ersten zwei, drei Songs bewusst, dass „Everyday Life“ wieder mehr Kunst als Kommerz sein möchte. Die Töne fallen gemäßigter, der Sound leiser und die Texte nachdenklicher aus. Coldplay anno 2019 sind wieder geerdet und klingen, als hätten sie sich von einem riesigen Druck befreit. Sie nehmen fremdartige Einflüsse in ihre Musik auf, die unter dem Mantel „World Music“ firmieren könnten, aber auch avantgardistisch ganz weit vorne sind. So finden Coldplay tatsächlich zurück zur guten alten Popmusik der frühen Werke. Wer hätte das je gedacht?

An der Produktion arbeiteten mit Rik Simpson, Dan Green, Bill Rahko, Angel Lopez, Federico Vindver und Max Martin nicht gerade wenige Menschen mit. Geschadet hat es nicht. Coldplay besitzen auf dieser Platte endlich wieder ihr fabelhaftes BritPop-Pathos („Daddy“, „When I need a friend“, „Orphans“), sie experimentieren, ohne sich zu verzetteln („Arabesque“) und sie schaffen es, kleine, sympathische Songs zu schreiben, anstatt immer voll auf die Zwölf zu hauen („Cry cry cry“). Damit kreieren Coldplay seit langer Zeit mal wieder spannende Musik, indem sie ein Konzeptalbum abliefern, das den Hörer nicht mit widerlichem Dance-Pop anspringt, sondern auf Ideen, Instinkt und Gefühl setzt.

Anspieltipps

  • Daddy
  • Broken
  • Cry cry cry
  • Trouble in town
  • When I need a friend
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