Schwesta Ewa - Aaliyah - Cover
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Schwesta Ewa Aaliyah


  • Label: Alles Oder Nix Records
  • Laufzeit: 73 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
2.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Akte Ewa: Steuerhinterziehung, 35-fache Körperverletzung und sexuelle Verführung Minderjähriger. Deshalb erscheint das „Aaliyah“-Album mit schönen Grüßen aus dem Knast.

Als Ewa Müller (35), die sich inzwischen Ewa Malanda nennt, vor acht Jahren mit ihrem Mixtape „Realität“ (05/2012) und der Hilfe von Alles Oder Nix Records in der Deutsch-Rapszene auftauchte, brachte dies nicht nur frischen Wind in ein verlogenes Genre, in dem haufenweise Möchtegern-Gangster vom Leben auf der Straße rappen, dabei aber nur ein Hörensagen wiedergeben, sondern auch einen ordentlichen Schuss Authentizität und die Erkenntnis, dass ausgerechnet eine Frau antreten musste, um der Deutsch-Rap-Welt zu beweisen, wo der Frosch die Locken hat. Mit ihren Texten über Drogen, Gewalt, Knarren, Freier und käufliche Liebe berichtete Schwesta Ewa quasi aus ihrem eigenen Leben als Prostituierte, Dealerin und Zuhälterin. Hoppla. Darf man das einfach so über Schwesta Ewa schreiben? Ja, man darf.

Denn nachdem Ewa im November 2016 wegen des Verdachts des Menschenhandels zum Zweck der sexuellen Ausbeutung, Zuhälterei, Körperverletzung und Steuerhinterziehung festgenommen wurde, verbrachte sie sieben Monate im Gefängnis. Im Februar 2019 wurde sie dann rechtskräftig zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt, die sie am 12. Januar 2020 in der Justizvollzugsanstalt Willich II angetreten hat. Zwischendurch, am 9. Januar 2019, brachte Schwesta Ewa noch ihre Tochter Aaliyah Jeyla zur Welt. Diese durfte die Rapperin allerdings nicht mit in den Knast nehmen. Sie schaffte es allerdings noch, mit „Enthüllungen: Das Leben fickt am härtesten“ (08/2019) ein Buch zu schreiben und mit „Aaliyah“ ein neues Album aufzunehmen.

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In Anbetracht der bevorstehenden Haftstrafe mussten diverse Videoclips und Promo-Aktivitäten vorproduziert werden, damit Schwesta Ewas Abrechnung mit den Bullen, den Medien und dem aus ihrer Sicht schwachen Geschlecht ins rechte Licht gerückt und möglichst viele der teuren Deluxe-Box-Sets verkauft werden. Aber auch die Einflüsse aus ihrem neuen Dasein als Mutter wollte Schwesta Ewa gerecht werden. Musikalisch holte sie sich dazu Bruda, Al Gear, Milonair, Narco Marco und Samy als Feature-Gäste, die auf einigen der 16 von Iceberg, Remoe, Ajay, DJ Passion und Foos produzierten Tracks zu hören sind.

Der Sound von „Aaliyah“ kommt im Vergleich zu den vorherigen Longplayern deutlich gemäßigter, ja fast schon entspannt und zahnlos daher. Das passt gut zu den Texten, die oft durch nicht vorhandene Aggressionen und Schärfe auffallen. Für eine angekündigte Abrechnung ist dies ziemlich schwach. Dazu kommt, dass anstelle von Raps zu viele gesungene Parts vorkommen und damit einhergehend eine hörbare Anbiederung an den Mainstream und Capital Bras „Lelele“-Eskapaden auf „CB6“ (04/2019) stattfindet. Damit erleidet „Aaliyah“ im Vergleich zu „Kurwa“ (01/2015) und „Aywa“ (06/2018) einen unerwarteten Stilbruch, der Einflüsse aus Pop und R&B annimmt und in Verbindung mit den handzahmen Texten viel von der ursprünglichen Faszination an Schwesta Ewa einbüßen lässt.

Anspieltipps:

  • Cruella
  • Rein raus
  • Poledance
  • Mona Lisa
  • Porsche Carrera
  • Undercover Kommissar
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