Body Count - Carnivore - Cover
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Body Count Carnivore


  • Label: Century Media/Sony Music
  • Laufzeit: 39 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
6.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Fick Veganer! Wir glauben, dass alles Fleischfressende so ziemlich in den Arsch tritt. Wir sind fleischfressend. Jeder ist gerade so Muschi, also sind wir Fleischfresser! (Ice-T).

Tracy Marrow alias Ice-T (62) begann Mitte der 80er Jahre in Los Angeles als Rapper, der nicht nur – wie damals und heute noch immer üblich – mit dem Leben auf der Straße und dem Job eines Zuhälters kokettierte, sondern insbesondere mit politischen Themen stark polarisierte. Damit verband Ice-T Conscious- und Gangsta-Rap auf eine brillante Art und Weise und feierte mit Alben wie „Rhyme Pays“ (07/1987), „Power“ (09/1988), „O.G. Original Gangster“ (05/1991) sowie „Home Invasion“ (03/1993) große kommerzielle Erfolge. Seine Longplayer gehörten in den 80er und 90er Jahren zur Grundausstattung eines jeden Rap-Fans und ebneten vielen jüngeren Kollegen stilistisch den Weg.

In den 90er Jahren konzentrierte sich Ice-T verstärkt auf das Schauspielfach und wirkte in Kultfilmen wie „New Jack City“ (1991), „Ricochet“ (1991), „Trespass“ (1992), „Surviving The Game“ (1994), „Tank Girl“ (1995) oder auch „Judgement Day“ (1999) mit. Die Musik blieb dennoch nie ganz außen vor, auch wenn Alben wie „Return Of The Real“ (06/1996), „The Seventh Deadly Sin“ (09/1999) und „Gangsta Rap“ (10/2006) längst nicht mehr die Strahlkraft der frühen Werbe saßen. Dafür kann sich Ice-T den Titel „Pionier des Rap-Metal“ ans Revers heften. Denn mit dem Start der Band Body Count, Anfang der 90er Jahre, gab es plötzlich neuartige Töne zu hören, in den denen Rap mit Heavy Metal und Hardcore-Punk gekreuzt wurden. Es war die Geburtsstunde des neuzeitlichen Crossover.

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In den 90er Jahren legten Body Count mit „Body Count“ (03/1992), „Born Dead“ (09/1994) und „Violent Demise: The Last Days“ (03/1997) drei hörenswerte Alben vor. Danach wurde die Band lange Zeit auf Eis gelegt – schwer mitgenommen durch den Tod von Drummer Beatmaster V († 1996), Bassist Mooseman († 2001) und Gitarrist D-Roc († 2004). Dennoch reaktivierte Ice-T Body Count. Doch das Comeback-Werk „Murder 4 Hire“ (07/2006) auf dem kleinen Label Escapi Music geriet zu einem künstlerischen Fiasko, sodass es wiederum acht Jahre dauert, bis mit „Manslaughter“ (06/2014) und drei Jahre später mit „Bloodlust“ (03/2017) zurück in geregelte Bahnen ging.

Weitere drei Jahre nach „Bloodlust“ legen Ice-T (Gesang), Ernie C (Gitarre), Juan Garcia (Gitarre), Vincent Price (Bass) und Ill Will (Drums) mit „Carnivore“ nun ihr siebtes Studiowerk vor, mit dem die Erfinder des Rap-Metal ihr 30. Bandjubiläum begehen. Produziert wurde es von Will Putney (u.a. The Acacia Strain, Norma Jean, Four Year Strong Northlane, After The Burial) und von den Gastmusikern Dave Lombardo (Ex-Slayer), Amy Lee (Evanescence), Jamey Jasta (Hatebreed) und Riley Gale (Power Trip) veredelt. Als obligatorisches Coverstück wurde diesmal der Motörhead-Klassiker „Ace of spades“ ausgewählt. Soviel zu den Rahmenbedingungen.

Die Basis eines jeden Body-Count-Albums ist ein wütender und angepisster Ice-T, der ordentlich Dampf ablassen muss, weil das Leben nun mal kein Ponyhof ist, sondern ein tagtäglicher menschlicher Krieg – gegen wen oder was auch immer. Dies verlangt nicht nur nach Härte in den Songstrukturen, auch die Produktion muss dazu beitragen, dass die Songs amtlich knallen. Dies ist auf „Carnivore“ sichergestellt und bildet damit ein solides Gerüst, auf dem sich Ice-T und Co. austoben können. So wurde zum Beispiel der Ice-T-Classic „Colors“ (1988) neu eingespielt und mit schneidenden Metal-Riffs gepaart. Damit verbinden Body Count geschickt den Spirit der Achtziger mit dem Hier und Jetzt und lassen weitere Abrissbirnen wie „No remorse“, „Thee critical beatdown“ oder auch den Titeltrack folgen.

Damit verteidigen Body Count ihren Status als Legenden des Rap-Metal auf eine sehr souveräne Art. Das Album knallt gut aus den Boxen, Ice-T spuckt Gift und Galle und die Songs rütteln den Hörer ordentlich durch. Denn bis gestern war alles nur Spaß. Nun übernimmt Ice-T wieder das Sagen und stellt klar: „I'm done with the bullshit. I ain't fuckin' 'round no more!“.

Anspieltipps:

  • Colors
  • Bum-Rush
  • Ace of spades
  • Thee critical beatdown
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