Ozzy Osbourne - Ordinary Man - Cover
Große Ansicht

Ozzy Osbourne Ordinary Man


  • Label: Epic/Sony Music
  • Laufzeit: 49 Minuten
Artikel teilen:
7/10 Unsere Wertung Legende
7.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Wer zur Hölle ist Post Malone? Oder: Wie ein Rapper den Fürst der Finsternis wieder zum Leben erweckte.

Das Jahr 2019 war für Ozzy Osbourne (71) wahrlich kein Gutes. Schon im Januar fing er sich eine schwere Infektion der oberen Atemwege ein, die sich zu einer waschechten Lungenentzündung entwickelte. Dann stürzte er in seiner Villa in Los Angeles und zog sich eine Nackenverletzung zu, bei der sich die Metallstifte verschoben, die ihm die Ärzte im Jahr 2003 nach einem Quad-Unfall eingesetzt hatten. Es folgte eine Operation, bei der ihm sämtliche Nerven durchtrennt wurden und die Absage aller Konzerttermine des Jahres 2019. Anschließend war der Madman sechs Monate ans Bett gefesselt und musste ganz nebenbei auch noch die Diagnose „Parkinson“ verkraften.

Auf diese Weise wurde aus dem Fürsten der Finsternis ein kleines Häufchen Elend, das sich dann doch irgendwie wieder gefangen hat. Schließlich hat Ozzy mit seiner Frau Sharon und den Kindern Kelly und Jack treibende Kräfte hinter sich, die ihn daran erinnerten, dass sein letztes Studioalbum „Scream“ (06/2010) fast zehn Jahre auf dem Buckel hat und er lieber ins Studio gehen könnte, als auf dem Sofa abzuhängen. So empfahl ihm Tochter Kelly eine Zusammenarbeit mit dem Rapper Post Malone (24), die so gut lief, dass innerhalb von einem Monat mit „Ordinary Man“ ein komplettes Album fertig war. Für Ozzy-Verhältnisse ist das ein lang nicht dagewesenes Arbeitstempo, das allerdings auf einer geschickten Arbeitsteilung beruht.

So bestand das Songwriting-Team aus dem Produzenten und Gitarristen Andrew Watt (u.a. Blink-182, Lana Del Rey, Justin Bieber, Camila Cabello), der Songschreiberin Alexandra Tamposi (Christina Aguilera, Demi Lovato, Beyoncé, Selena Gomez, Ciara) sowie Bassist Duff McKagan (Guns N‘ Roses) und Drummer Chad Smith (Red Hot Chili Peppers). Dazu begrüßt Ozzy auf „Ordinary Man“ weitere Stargäste wie Elton John, Slash (Guns N‘ Roses), Tom Morello (Rage Against The Machine), Charlie Puth, Travis Scott und Louis Bell, die allesamt dazu beitrugen, dass Ozzys „beschissenstes Jahr seines Lebens“ doch noch eine positive Wendung bekam.

Bild

Für Puristen ist es vermutlich angenehm zu hören, dass sich Ozzy Osbourne lediglich auf zwei Songs das Mikrofon mit Rapper Post Malone teilt und ansonsten lieber seinem edel produzierten Mainstream-Metal frönt, der historisch von Black Sabbath und Ozzys Urgitarristen Randy Rhoads inspiriert ist, aber selbstverständlich für das Hier und Jetzt geschrieben wurde. Dass Ozzys Stamm-Line-up dabei nur zuschauen durfte und einer Horde Promis den Vorzug geben musste, sei dem Projektcharakter des Longplayers geschuldet. Hauptsache das Ganze funktioniert und ist weniger durchschnittlich als die letzten drei, vier Alben des Meisters.

Zumindest haben Ozzys Mitstreiter verstanden, wie der klassische Sound des Prince Of Darkness zu klingen hat („Straight to hell“). Dazu gehören kernige Balladen („All my life“, „Ordinary man“), sich streckenweise zäh dahinschleppende Songs („Goodbye“) und potenzielle Klassiker wie „Under the graveyard“, die Ozzy-Feeling in Reinkultur verkörpern. Dabei gilt grundsätzlich, dass die Tracks immer wieder in klassischer Manier mit markanten Gitarrensoli veredelt werden. Für was hat man sonst Leute wie Slash, Tom Morello oder auch Andrew Watt mit an Bord? Schade nur, dass Band-Rückkehrer Zakk Wylde seine spezielle Note nicht einbringen durfte.

So ist „Ordinary Man“ ein über weite Strecken gutes Überraschungsalbum geworden, das auf der Zielgeraden mit betont poppigen, für die Heavy-Metal-Gemeinde zu seichten Stücken wie „Today is the end“, „Scary little green men“, „Holy for tonight“ und vor allem „Take what you want“ zwar etwas holprig unterwegs ist, aber den klassischen Ozzy-Sound nicht ausklammert und inhaltlich mehr Tiefgang mitbringt. Schließlich hatte der 71-Jährige in der letzten Zeit viel zu verarbeiten. Diese neu gefundene Energie steckt nun in elf Songs, von denen leider nicht alle auf Top-Niveau sind. Ganz schlimme Ausreißer nach unten gibt es allerdings auch nicht. Bleibt nur noch die Frage: Ist dies vielleicht der letzte Longplayer von Ozzy Osbourne gewesen?

Anspieltipps:

  • Goodbye
  • It’s a raid
  • Straight to hell
  • Holy for tonight
  • Under the graveyard
Neue Kritiken im Genre „Heavy Metal“
7/10

Highway Of Heroes
  • 2019    
Diskutiere über „Ozzy Osbourne“
comments powered by Disqus