The Used - Heartwork  - Cover
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The Used Heartwork


  • Label: Hassle Records
  • Laufzeit: 46 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
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The Used wählen auf „Heartwork“ einen experimentellen Ansatz, der an vielen Stellen übertreibt, aber auch zeigt, warum die Band so groß geworden ist und in den USA zwei Platin-Alben einfahren konnte.

Mit The Used meldet sich in diesen Tagen eine Band zurück, die gleich zu Beginn ihrer Karriere in die ganz großen Geldtöpfe greifen konnte. Ausgestattet mit einem Vertrag beim Majorlabel Reprise Records, lagen die besten Bedingungen vor, um der Rockwelt einen ganz neuen Ansatz von poppigem Emocore zu präsentieren, der weltweit überraschend gut funktionierte. Allerdings hatten The Used auch das Glück, Anfang der Nullerjahre in einen regelrechten Emo/Screamo-Hype hineingeraten zu sein, in dem Bands wie Fall Out Boy, My Chemical Romance oder auch Dashboard Confessional mächtig durch die Decke gingen. Zwar überlebten The Used als die Emo-Blase später platzte auf gutem Niveau, nur eben ein paar Nummern kleiner.

Dennoch stehen bis heute mehr als zehn Millionen verkaufte Tonträger für die Jungs aus Utah zu Buche, die nach sechs Major-Longplayern für Reprise Records (Warner), von denen die ersten drei kommerziell richtig gut performten, sowie fünf Indie-Alben für Hopeless Records, nun beim Independent-Label Big Noise Records unter Vertrag stehen, das wiederum weltweit an Hassle Records (u.a. The Get Up Kids, Turbowolf, Senses Fail, Thousand Foot Krutch, August Burns Red) lizenziert. Big Noise Records ist das Label des Produzenten John Feldmann (Good Charlotte, Story Of The Year, Escape The Fate, 5 Seconds Of Summer), der quasi als fünftes Mitglied von The Used gilt, die bis dato größten Erfolge der Band mitzuverantworten hat auch das neue Werk namens „Heartwork“ im Studio betreute.

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Für ihr offiziell achtes Studioalbum haben Bert McCracken (Gesang), Jeph Howard (Bass), Dan Whitesides (Drums) und Joey Bradford (Gitarre), der den im Jahr 2018 ausgestiegenen Justin Shekoski ersetzt, insgesamt 27 Stücke aufgenommen, von denen 16 auf „Heartwork“ gelandet sind. Der Rest könnte – so der Plan – später im Jahr auf einem weiteren Album nachgeschoben werden. Als Gäste haben The Used zudem Mark Hoppus (48) und Travis Barker (44) von Blink-182, Caleb Shomo von Beartooth sowie Jason Aalon Butler (33) von der noch jungen Rapcore-Band Fever 333 an Bord geholt.

Grundsätzlich wollen The Used den mächtigen Sound, die poppigen Melodien und die düstere Atmosphäre ihrer Frühwerke „The Used“ (06/2002) und „In Love And Death“ (09/2004) für „Heartwork“ reproduzieren, dehnen das Programm stilistisch aber eine Spur weiter aus, als zu erwarten war. Dabei gelingt der Einstieg mit dem räudigen Punksong „Paradise lost, a poem by John Milton“, der Härte und Eingängigkeit perfekt miteinander verbindet, sowie dem herrlich durchgeknallten „Blow me“ besonders stark. Das folgende „Big, wanna be“ kommt dagegen als theatralische Emocore-Oper daher, während „Bloody nose“ auf elektronisch-nervöse Panic! At The Disco-Pfade abbiegt. Schon hier ist zu ahnen, dass „Heartwork“ ganz böse abschmieren könnte, wenn The Used diesen Stilmix konsequent bis zum Ende durchziehen.

Und siehe da, als hätten wir es geahnt: Auch „Wow, I hate this song“, „Cathedral bell“ und „The Lighthouse“ schlagen in eine ähnliche Kerbe. Hier trifft Electro-Pop auf den Sound von 5 Seconds Of Summer, womit The Used nicht wirklich in eine Richtung steuern, die sich die Fans der frühen Alben erhofft haben. Auf diese Weise geht es von Song zu Song immer eine Spur abgedrehter zur Sache. So erinnert das affektierte „1984 (infinite jest)“ an My Chemical Romance, „Clean cut heals“ und das gelungene „Darkness bleeds, FOTF“ an elektronischen Pop-Rock à la Enter Shikari und „Obvious blasé“ mehr oder weniger an die Melodieseligkeit von Blink-182.

Einen letzten echten Scream-Gruß gibt es dann kurz vor Schluss von Caleb Shomo in „The lottery“. Davon hätte man sich durchaus mehr gewünscht. Doch The Used bevorzugten nach dem eher stringenten „The Canyon“ (10/2017) lieber einen experimentellen Ansatz, der an vielen Stellen übertreibt, aber auch hier und da zeigt, warum die Band ursprünglich so groß geworden ist, dass sie in den USA zwei Platin-Alben einfahren konnte.

Anspieltipps:

  • Blow me
  • The lottery
  • Obvious blasé
  • 1984 (infinite jest)
  • Paradise lost, a poem by John Milton
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