Nightwish - Human. :II: Nature. - Cover
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Nightwish Human. :II: Nature.


  • Label: Nuclear Blast/WEA
  • Laufzeit: 82 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
7.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Fünf lange, aber nicht veröffentlichungsfreie Jahre nach ihrem letzten Studioalbum, legen die Finnen nun ihr neuntes Studiowerk vor.

Nach der Finnin Tarja Turunen (1996-2005, zu hören auf einem guten Dutzend Studio, Live und Best-Of-Alben) und der Schwedin Anette Olzon (2007-2012, wirkte auf zwei Studioalben mit), ist inzwischen die Niederländerin Floor Jansen (seit 2013, ein Studio- und zwei Live-Alben) die starke Frau im finnischen Männer-Club von Nightwish. Und obwohl ihr Einstand auf dem „Endless Forms Most Beautiful“-Longplayer (03/2015) nicht unbedingt zu den Sternstunden der Bombast-Metaller zählt, wurde die 39-Jährige von Fans und Kritikern äußerst positiv aufgenommen.

Nach ihren eher etwas kühl wirkenden Vorgängerinnen erfüllte Floor Jansen nicht nur die obligatorische Einstiegsvoraussetzung bei Nightwish, sprich: das Beherrschen von klassischer und normaler Stimme, sie kombinierte zudem ein sympathisches Auftreten mit einer wuchtigen Bühnenpräsenz, die sie in den vergangenen Jahren in zahllosen Liveshows unter Beweis stellen durfte. So war der Nightwish-Tross, Tuomas Holopainen (Keyboards), Marko Hietala (Gitarre, Gesang), Emppu Vuorinen (Gitarre), Troy Donockley (Flöten, Gesang) und Kai Hahto (Drums), zusammen mit Floor Jansen, fast durchgehend live beschäftigt, was sicher gutes Geld bringt, aber auch die Rufe nach neuem Studiomaterial lauter werden lässt.

Am Ende hat Mastermind Tuomas Holopainen (45) mit „Human. :II: Nature.“ wieder amtlich abgeliefert. Zehn Songs, die sich auf zwei CDs verteilt über 82 Minuten Laufzeit strecken und mit dem Clou aufwarten, dass allein der Track „All the works of nature which adorn the world“ auf eine Spielzeit von fast einer halben Stunden kommt und aus diesem Grund separat auf der zweiten CD untergebracht werden musste. Da sich das Stück zudem auch stilistisch von den übrigen Songs unterscheidet, macht dies gleich doppelt Sinn. So bleibt das Hauptwerk im üblichen Album-Rahmen, was die Gefahr minimiert, dass der Hörer mit dem üblichen Nightwish-Bombast überfordert wird.

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So lassen Nightwish das London Session Orchestra für einen dramatisch-druckvollen Unterbau im Soundtrack-Stil sorgen, auf dem sich Schicht um Schicht ein irrwitziges Geflecht aus Neoklassik, Folk, Heavy Metal und Pop auftürmt, wobei der Folk-Einfluss diesmal besonders heraussticht, weil die kurzen Passagen sehr effektvoll in Szene gesetzt wurden. Nightwish sind also nicht heimlich zur Mittelalter-Metal-Gruppe mutiert. Sie schaffen es vielmehr, ihre Songs in gewohnter Manier mit Details anzureichern, die Stück für Stück entdeckt werden wollen.

Dennoch bleiben Nightwish sich und ihrem Stil auf „Human. :II: Nature.“ grundsätzlich treu. Sie verändern gekonnt ein paar Nuancen, die zur Spannung beitragen und dem Rest der Symphonic-Metal-Welt zeigen, wie man ein Album abliefert, das dem Hörer mit überkandideltem Bombast und Instrumenten aus der Konserve nicht den letzten Nerv raubt. Hier zahlt sich dann auch Floor Jansens ausgewogener Einsatz von klassischem und normalem Gesang aus, der um die Stimme von Marko Hietala ergänzt wird und so für Abwechslung sorgt.

Fazit: Mit „Human. :II: Nature.“ legen Nightwish einen opulenten Longplayer vor, der an ihre besten Taten anknüpfen kann. Natürlich ist der Überraschungseffekt nicht mehr so ausgeprägt wie zu „Once“-Zeiten (06/2004), aber will dies ernsthaft jemand als Kritikpunkt heranziehen? Besser nicht. Denn Fakt ist, dass Nightwish auch anno 2020 ihr hohes Niveau halten und den Hörer fesseln können. Dazu war auch die Entscheidung gut, den Longtrack „All the works of nature which adorn the world“ vom Hauptwerk zu separieren. Denn darin tobt sich insbesondere Tuomas Holopainen mit einem starken Hang zur Filmmusik aus, was prinzipiell hörenswert ist, aber mit dem eigentlichen Charakter von „Human. :II: Nature.“ nicht in einen Topf geworfen werden sollte.

Anspieltipps:

  • Pan
  • Harvest
  • Endlessness
  • How’s the heart
  • All the works of nature which adorn the world
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