Alanis Morissette - Such Pretty Forks In The Road - Cover
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Alanis Morissette Such Pretty Forks In The Road


  • Label: RCA/Sony Music
  • Laufzeit: 46 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

25 Jahre nach „Jagged Little Pill“ wird aus jugendlichen Rachephantasien die Suche nach Erleichterung im Leben einer dreifachen Mutter.

Auch auf „Such Pretty Forks In The Road“ mussten die Fans Corona-bedingt fast drei Monate länger warten als ursprünglich geplant, was umso schwerer wiegt, da das bis dato letzte Studioalbum „Havoc And Bright Lights“ (08/2012) aus dem Hause Alanis Morissette bald acht Jahre zurückliegt und die Feierlichkeiten zum 25. Jubiläum von „Jagged Little Pill“ (06/1995) im COVID-19-Irrsinn zwangsweise untergingen. Überhaupt „Jagged Little Pill“: Dieser Longplayer, den bis heute viele für das Debüt der Kanadierin halten, wird mit mehr als 25 Millionen verkauften Einheiten sowieso für immer das ultimative Alanis-Morissette-Album bleiben, da im Anschluss, zwischen vereinzelten Hits, überwiegend Mittelmaß abgeliefert wurde, das nur rudimentär in Erinnerung geblieben ist.

Alanis Morissettes (46) neuntes Studiowerk entstand im vergangenen Jahr u.a. in Zusammenarbeit mit Michael Farrell (Ben Lee, Morrissey, Lenka, Macy Gray) als Co-Songwriter, der im Übrigen auch an dem 2019er „Jagged Little Pill“-Broadway-Musical (kein Scherz!) beteiligt war, sowie der australischen Songschreiberin und Produzentin Alex Hope (Troye Sivan, Ben Platt, Tove Lo, Selena Gomez, Alec Benjamin). Sie gossen die Songideen der Kanadierin in Form, die mit „Such Pretty Forks In The Road“ ein autobiografisches Album über die Leiden einer dreifachen Mutter vertont und damit quasi den radikalen Gegenentwurf ihres jugendlichen Zorns und ihrer Rachephantasien auf „Jagged Little Pill“ abgeliefert hat.

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Das bedeutet, dass die 46-Jährige zwar immer noch Schmerzen und Gefühle in ihren Songs verarbeitet, die Themenwelten aber andere geworden sind. Auf Friede, Freude, Eierkuchen sollte sich der Hörer allerdings nicht einstellen, auch wenn die musikalische Untermalung deutlich gemäßigter ist als in den 90er Jahren. Düstere Anlässe wie „Postpartale Depressionen“, „Angst und Panikattacken“, „Alkoholmissbrauch und andere Süchte als alternative Selbsttherapie“ sowie „psychedelische Experimente auf der Suche nach Gott“ sind jedenfalls kein Zuckerschlecken. Nichtsdestotrotz holt der Opener „Smiling“ den Hörer mit vertrauten (balladesken) Klängen und einer tollen Melodie ab. Ein gelungener Einstieg!

Doch schon das folgende „Ablaze“ bietet zu viel Drama und zu wenig Kurzweil, womit der Weg der insgesamt elf Stücke vorgezeichnet ist: Alanis Morissette singt sich wie gewohnt mit aufgeregt-einschneidender Stimme („Reasons I drink“), die gestern wie heute polarisiert, durch ein Bündel düsterer Tracks, die das Licht am Ende des Tunnels nur erahnen lassen. Die Grundlage besteht dabei aus Pianoklängen, die wie schwere Regentropfen auf den Hörer einwirken („Reckoning“, „Her“, „Nemesis“), in Verbindung mit bedeutungsschwangeren Streichern, die vor Pathos nur so triefen („Pedestal“, „Missing the miracle“). Da ist es eine willkommene Abwechslung, wenn zwischendurch ein Song etwas unbeschwerter aus den Boxen perlt („Sandbox love“).

Dies passiert leider viel zu selten und ist natürlich der düsteren Thematik des Albums geschuldet, der sich der Hörer stellen und entscheiden muss, wie er die schwere Last der Alanis Morissette persönlich auf sich wirken lässt. Dabei stellt sich u.a. die Frage, ob diese Art der Gefühlsvermittlung zwingend auf ein dominantes Bett aus Streicher- und Pianoklängen angewiesen ist oder ob hier etwas Experimentierfreude weitergeholfen hätte. Also weniger Tori Amos und mehr James Blake – oder so.

Anspieltipps:

  • Her
  • Smiling
  • Nemesis
  • Diagnosis
  • Sandbox love
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