Danzig - Danzig Sings Elvis - Cover
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Danzig Danzig Sings Elvis


  • Label: Cleopatra/H'ART
  • Laufzeit: 39 Minuten
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3/10 Unsere Wertung Legende
2.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Düster-Rock-Ikone Glenn Danzig huldigt seinem Idol Elvis Presley.

Glenn Danzig (64) ist Gründer der Bands Misfits (1977-1983), Samhain (1983-1987) und Danzig (1987 bis heute). Er prägte in seiner Frühzeit den Hardcore-Punk und wechselte später zum gediegenen Hardrock. Er besitzt sein eigenes Plattenlabel, macht in Comics, Filmen und weiß der Teufel noch was und hat genau deshalb nur wenig Zeit, um all das unter einen Hut zu bringen. Doch jetzt hat der lediglich 1,60 Meter kleine, muskelbepackte Brüllwürfel nach ewiglanger Ankündigung, jahrelanger Arbeitszeit und der einen oder anderen VÖ-Verschiebung (bezogen auf reguläre Vertriebswege) endlich seinen großen Traum in die Tat umgesetzt: Ein Album voll mit Cover-Versionen des King of Rock’n‘Roll Elvis Presley!

Dabei hat der 64-Jährige weiterhin jede Menge um die Ohren. Er brachte in diesem Jahr seinen schrägen „Verotika“-Horrorfilm auf den Markt und stelle das Soundtrack-Album zusammen. Für eine geplante Show-Reihe in Las Vegas ist angedacht, das gesamte „Danzig II: Lucifuge“-Album (1990) live aufzuführen und mit den Misfits wird über Festival-Auftritte und ein neues Studioalbum verhandelt. Dazwischen musste nun endlich das Elvis-Cover-Projekt abgeschlossen werden, das auf eine lange Geschichte zurückblickt. Denn schon zu Misfits- und Samhain-Zeiten und später auch mit Danzig nahm sich Glenn Danzig Songs seines Kindheitsidols vor und spielte diese nach. Dabei kam ihm zugute, dass seine tiefe Stimme eine grotesk-geniale Mischung aus eben jenem Elvis Presley sowie Jim Morrison abgibt. Eine bessere Grundlage für Coversongs gibt es wohl kaum.

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Danzig lieferte mit den Alben „Lucifuge“ (1990) und „How The Gods Kill“ (1992) unter der Regie von Produzent Rick Rubin (u.a. The Strokes, Johnny Cash, Eminem, Red Hot Chili Peppers, Tom Petty, Metallica, Linkin Park, Slayer, Audioslave, Beastie Boys) zwei absolute Meisterwerke ab. Danach folgte lange Jahre sehrt viel Schrott, mit dem Danzig zum Gespött der Musikfans wurde. Richtig erholt von dieser künstlerischen Schieflage hat sich Danzig bis heute nicht. Dann kann er es nun auch mit seinem Elvis-Projekt probieren, an dem er zusammen mit Tommy Victor (Gitarre) gearbeitet hat. Nur Kumpel Joey Castillo spielte auf einem Track die Drums. Ansonsten teilte sich das Duo Danzig/Victor die komplette Produktion.

Elvis Presley warf im Schnitt drei bis vier Longplayer pro Jahr auf den Markt und hatte Singlehits ohne Ende. Doch Glenn Danzig macht um die allermeisten Gassenhauer einen großen Bogen und stellte eine sehr spezielle Songmischung zusammen, die für alle Nicht-Hardcore-Jünger des King of Rock’n’Roll den Vorteil hat, dass die 14 Songs nicht von vornherein total ausgelutscht klingen, auch wenn Danzig die Arrangements so dicht wie möglich am Original belassen hat. Dazu zählt eine amtliche Portion Hall auf den Gesangsspuren, eine minimalistische Instrumentierung und eine fast durchgehend am Midtempo orientierte Balladenstimmung. Einzig „Baby let’s play house“ bringt mal etwas Tempo aufs Parkett. Das ist eindeutig zu wenig!

So heult („First in line“) und knödelt („Loving arms“) sich Glenn Danzig durch heiliges Liedgut („Always on my mind“), ohne dass auch nur einmal ein Funke von Genialität auf den Hörer überspringt. Ganz im Gegenteil. Trotz der kurzen Spieldauer schafft es „Danzig Sings Elvis“ auf Dauer den Hörer zu langweilen. Dazu fallen die Darbietungen auf dem Keyboard („Like a baby“) und der Gitarre („Loving arms“) mitunter sogar dilettantisch aus. Ganz ehrlich: Das Ergebnis ist null Komma null originell und eine komplette Enttäuschung. Was wäre dagegen gewesen, wenn Danzig/Victor die Songs im Stile der Misfits oder der frühen Danzig-Alben eingespielt hätten? Man weiß es nicht. Aber man hätte zumindest mal darüber nachdenken können.

Anspieltipps:

  • Fever
  • Love me
  • First in line
  • Loving arms
  • Always on my mind
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