Paul Weller - On Sunset - Cover
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Paul Weller On Sunset


  • Label: Polydor/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 68 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Auf seinem inzwischen 15. Studioalbum huldigt der Godfather des BritPop dem Sound des 70er Jahre Memphis Soul.

Auf seinem letzten Studio-Longplayer „True Meanings“ (09/2018) präsentierte sich Paul Weller als frischgebackener 60-Jähriger, der als melancholischer Geschichtenerzähleronkel nichts Besseres zu tun hatte, als die eigene Vergänglichkeit in den Mittelpunkt seiner Songs zu stellen. Für den Modfather schien dieses Werk als Selbsttherapie zu fungieren, die für den Hörer in ihrer betulichen Art allerdings nicht wirklich spannend rüberkam. Und überhaupt: 60 Jahre ist doch kein Alter, um bereits dem Gevatter Tod in die Augen zu schauen. Deshalb darf der Hörer berechtigte Hoffnungen haben, dass sich der Großmeister des BritPop auf seinem neuesten Output besonnen und seine Befindlichkeitstexte im musikalischen Schlafmantel zurückgefahren hat.

Nachdem das bereits im Oktober 2019 fertiggestellte „On Sunset“-Album coronabedingt verschoben wurde, liegt Wellers 15. Studioalbum nun mit ordentlicher Verspätung vor. Und um es gleich vorwegzunehmen: Auch „On Sunset“ kann das möchtegern-biblische Alter seines Hauptakteurs nicht abschütteln und befasst sich viel mit Selbstreflexion und Rückblicken auf das Leben, freilich ohne dabei allzu persönlich und intim zu werden, was durchaus als künstlerische Schwäche ausgelegt werden könnte. So bedient Weller sprachlich eher Allgemeinschauplätze und vertraut dabei auf alte Weggefährten.

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So hören wir unter der Regie von Produzent und Tontechniker Jan „Stan“ Kybert (u.a. The Verve, Oasis, Björk, New Order, The Prodigy, Noel Gallagher's High Flying Birds) wiederum Steve Cradock (Gitarre), Andy Crofts (Bass), Tom van Heel (Keyboards), Ben Gordelier (Perkussion) und Steve Pilgrim (Drums) auf insgesamt zehn Songs (in der Deluxe-Ausgabe sind es immerhin 15), die in ihren Grundstrukturen auf psychedelisch angehauchten („Mirror ball“), an den trockenen Sound des 70er Jahre Memphis Soul („Baptiste“) basieren. Dazu kommen von Streichern und Bläsern dominierte Balladen („Village“) und französisch angehauchte Schmachtfetzen („More“), die alle liebevoll und opulent, aber nicht bombastisch arrangiert und mit elektronischen Elementen und Effekten kombiniert wurden.

Wer auf die Suche nach modernen Klängen geht, wird auf „On Sunset“ kaum fündig. Selbst die dezenten R&B-, Funk- und Popklänge sind tief in den 70er Jahren verwurzelt, was absolute konsequent ist und dem Album eine klare Richtung gibt. Und diese ist zum Glück weniger balladenlastig als der Vorgänger, auch wenn Paul Weller nicht mehr den breitbeinigen Rocker gibt. Dafür ist „On Sunset“ rhythmisch deutlich frischer und mit diversen Ausflügen ins Psychedelik- und Krautrockfach gespickt. Daraus ergibt sich zwar nicht eines der besten Weller-Werke, aber zumindest eins, das konzeptionell und in Bezug auf die Spielfreude Lust auf den 16. Longplayer macht, der sich bereits in der Mache befinden soll.

Anspieltipps:

  • More
  • Village
  • Rockets
  • Mirror ball
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